Archive for the ‘Focus’ Category

Drei Generationen

12. November 2016

Japanisches Mädchen mit Trenchcoat

Was auf Schweizer Strassen heute eher zur Seltenheit zählt, haben wir bei unserem Besuch in Japan im Frühjahr 2015 regelmässig angetroffen: Grossmutter, Mutter und Sohn/Tochter zusammen unterwegs in den Strassen oder der U-Bahn.

Oftmals gleichen sich dabei die drei Generationen nicht nur hinsichtlich Statur und Gesicht, sondern auch bezüglich Kleidung. So sind denn auch in elegante Trenchcoats gekleidete Kinder, wie das abgebildete Mädchen in Kyoto, keine Seltenheit.

Manchmal sieht man auch „nur“ Grosseltern mit Enkel – vielleicht ein Anzeichen, dass Japan langsam moderner wird und auch Frauen mit Familie vermehrt einer Arbeit nachgehen.

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Sakura 2015

8. April 2015

Himeji Castle with Sakura 2015

Ungefähr achteinhalb Jahre sind vergangen, seit ich das erste Mal in Narita landete und bei meinen Gasteltern in Kasuga-cho in Tokyo übernachtete und in die Gepflogenheiten des japanischen Bades eingeführt wurde. Am vergangenen Ostersonntag haben meine Frau und ich in exakt demselben Zimmer unsere Koffer gepackt und die Rückreise nach Zürich angetreten. Nach einem knapp zweiwöchigen Aufenthalt in Japan, das sich uns in seinem schönsten (Kirschblühten-)Gewand zeigte.

Vieles ist gleich geblieben in den vergangenen Jahren – die Durchsagen auf den Gleisen und in den Zügen der Metro- und Yamanote-Linie, die praktischen Getränkeautomaten (jidouhanbaiki), die an fast jeder Strassenecke anzutreffen sind, der Studio Alta Screen in Shinjuku (der nach einer zwischenzeitlichen Abschaltung nach dem Fukushima-Unglück wieder leuchtet), das karepan (Brötchen mit Curry-Füllung), die beheizten Toilettensitze, die neben den traditionellen japanischen Plumps-Klos anzutreffen sind, die 100-Yen-Shops, in denen fast alle Artikel für 100 Yen plus Mehrwertsteuer zu haben sind, und natürlich die japanische Gastfreundschaft, die sich kaum überbieten lässt.

Andere Dinge haben sich gewandelt – aufgefallen sind uns insbesondere die gestiegene Anzahl chinesischer Touristen, die wir bei den Touristen-Attraktionen in Kyoto angetroffen haben, sowie die vielen Trenchcoats, am Rücken elegant mit Schleife gebunden und nicht selten kombiniert mit Turnschuhen. Die Mode entwickelt sich also weiter, während viele der Busse und Züge einen Eindruck hinterlassen, als befände man sich noch in den 1970er-Jahren. Das Himeji-Schloss strahlt derweil unmittelbar nach seiner sechsjährigen Renovation so weiss wie nie zuvor.

yokatta yo. Wir kommen wieder.

Abfalltrennung

31. Dezember 2013

Abfall-Container Malta

Überraschenderweise hatte ich während der ersten Tage unseres Malta-Urlaubs im September 2012 einen Eindruck, der mich jeweils auch in Japan erfasst: Nämlich, dass es sehr sauber ist, wenn man durch die Strassen geht. Und dies nicht nur relativ gesehen im Vergleich zu anderen südlichen Ländern wie Italien oder Griechenland, sondern ganz grundsätzlich.

Geradezu entzückt haben mich die maltesischen Abfall-Container: wohlgeformte, elegante Plastikbehälter anstatt simple, eckige Mulden, jeweils vier an der Zahl, für Papier, Metall, Essensabfälle, Plastik/PET und übrigen Kehricht. So könnte Abfalltrennung Spass machen.

Könnte. Denn ich bezweilfe, dass in der Realität tatsächlich ein grosser Anteil des Abfalls auch tatsächlich getrennt wird (zumindest nicht von den Abfallverursachern direkt). An den meisten öffentlichen Orten findet sich nämlich – ähnlich wie in der Schweiz – nur ein einziger Abfalleimer, in dem nicht nur alle Sorten von Abfall, sondern auch die vielen PET-Getränke und -Wasserflaschen landen.

In Japan war dies anders gewesen – dort standen resp. stehen an vielen öffentlichen Orten die nach Abfalltyp getrennten Eimer (z.B. auf dem Uni-Gelände) und werden entsprechend auch im Alltag rege genützt. Allein: Das japanische Trennsystem von brennbarem und nicht brennbarem Abfall habe ich ehrlich gesagt bis heute nicht wirklich verstanden.

Da hätten wahrscheinlich auch wohlgeformtere Eimer nicht geholfen.

Verstopfte Strassen

17. September 2012

Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat Ende August den Nationalstrassen-Bericht für das Jahr 2011 veröffentlicht. Fazit der NZZ: „So viel Verkehr wie noch nie auf Schweizer Autobahnen„.

Auffällig ist insbesondere die Zunahme der Staustunden um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es scheint, als würden die Schweizer Autobahnen langsam, aber sicher an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Dass gewisse Strassen ab und zu etwas „verstopft“ sind (Englisch: „congested“), ist aus volkswirtschaftlicher Sicht grundsätzlich kein Problem (wie mir bei der Lektüre im Buch „Lectures on urban economics“ aus der Feder von Jan Brueckner kürzlich bewusst wurde). Im Gegenteil: Optimalerweise ist jede Strasse im Verlaufe ihres Bestehens einmal etwas verstopft. Ist dies nicht der Fall, hätte möglicherweise auch eine kleinere – und kostengünstigere – Strasse den gleichen Zweck erfüllen können. Gleichzeitig sind jedoch die meisten beobachtbaren Staus volkswirtschaftlich nicht optimal, da die „Verstopfung“ des Verkehrsnetzes grösser ausfällt, als sie im Optimum vorherrschen würde. Der Grund: Jeder Verkehrsteilnehmer berücksichtigt in seinem Entscheid, eine viel befahrene Strasse (trotzdem) zu benützen, nur seine eigenen Kosten (namentlich die Zeit, die er im Stau steht). Die Kosten, die er für alle anderen Verkehrsteilnehmer verursacht (nämlich, dass diese wegen ihm noch länger im Stau stehen), zieht er dagegen nicht in Betracht.

Ein Strassenausbau ist oftmals nicht der effizienteste Weg, das Stauproblem in den Griff zu kriegen. Sinnvoller wäre es in den meisten Fällen, das Verkehrsvolumen in den Spitzenzeiten zu verringern – beispielsweise, indem während der Rush Hour eine zusätzliche Steuer für die Benützung einer viel befahrenen Strasse erhoben wird. Dies würde gewisse Verkehrsteilnehmer dazu veranlassen, ein anderes Transportmittel zu benützen oder ihre Fahrt auf einen früheren oder späteren Zeitpunkt zu verlegen. Das Resultat wäre weniger Stau – bei gleichbleibender Strassenkapazität. Die zusätzlichen Steuereinnahmen könnten beispielsweise für die Finanzierung von Verkehrsausgaben (oder die Senkung anderer Steuern) verwendet werden.

Leider gestaltet sich die praktische Umsetzung solcher Ideen in der Realität als schwierig – nicht nur aus politischen, sondern auch praktischen Gründen. Und so muss ich nach der Lektüre des referenzierten NZZ-Artikels wahrscheinlich auch meine (naive) Idee, man könnte während der typischen Stauzeiten am Gotthard (Ostern, Pfingsten, Sommerferienwochenenden, etc.) für die Fahrt durch den Tunnel oder über den Pass eine Maut verlangen und so das Verkehrsaufkommen während der Spitzenzeiten brechen, verwerfen.

Denn am Gotthard gab es im vergangenen Jahr nicht während 10 oder 20 Tagen Stau. Sondern während deren 182 Tagen (vor dem Südportal) resp. 150 Tagen (vor dem Nordportal).

furettsu

29. Mai 2009

furettsu

Anzeichen dafür, dass einen mit Japan mehr verbindet als bloss zwei Wochen Ferien oder eine Vorliebe für Sushi, gibt es eine Menge: Sei es die Angewohnheit, entgegenkommenden Menschen links statt rechts auszuweichen. Oder das automatische Verbeugen bei der Verabschiedung von japanischen Freunden. Die gekonnte „Ich presse mich auch noch in diese Metro“-Bewegung, die das „Betreten“ der vollen Züge in der Tokioter U-Bahn während Stosszeiten erst möglich macht. Oder die ganz selbstverständliche Wahl der Stäbchen (anstelle von Messer und Gabel) im Flugzeug von Japan zurück nach Europa. Der Ärger darüber, wenn es bei einem Sukiyaki-Essen keine rohen Eier gibt. Oder das eigentliche innerliche Widerstreben, den bei (Möbel) Pfister in der Ausstellung der „Spirit of Japan“-Gartenmöbel ausgelegten Tatami-Fussweg mit Schuhen zu betreten (Tatami und Schuhe, das geht gar nicht – wie wenn man mit schmutzigen Schuhen den sauberen Teppich im Wohnzimmer betreten würde).

Das schönste Zeichen, dass man in Japan mehr ist als bloss ein willkommener Gast, ist meines Erachtens indes das folgende: Wenn man – auf Besuch bei seiner ehemaligen Gastfamilie – nicht, wie es sich für einen Gast gehört, als erster das abendliche Bad geniesst, sondern sich vielmehr in die Familienhierarchie einordnet und erst nach dem Vater das o-furo besteigt.

Da wäre es eigentlich gar nicht mehr nötig gewesen, dass ich während meines diesjährigen Japan-Aufenthalts in einem Vorort von Tokyo meinen Familiennamen – furettsu – auf einem grossen Schild entdeckt habe.

Gefreut habe ich mich aber natürlich trotzdem. Riesig. Wie die Lettern フレッツ, die ich so nicht im Geringsten erwartet hatte.

Nachtrag: Rolltreppen

2. Mai 2009

Rolltreppe in Kobe

In meinem Blog-Eintrag vom 23. Dezember 2006 zum Thema „Rolltreppen“ hatte ich geschrieben:

Ob hinauf oder hinunter – die Rolltreppen erleichtern den Metro-Reisenden das tägliche Pendeln sehr. Das ungeschriebene Gesetz dabei lautet: “Links stehen, rechts gehen.”

Während meines diesjährigen Japan-Aufenthalts musste ich überrascht feststellen, dass in Japan gilt: Andere Städte, andere Sitten.

Was in Tokyo unvorstellbar ist, scheint in Kyoto an der Tagesordnung zu sein: Rolltreppenfahren ohne System, wie es in der Schweiz die Regel ist. Manche stehen links, manche stehen rechts, manche zu zweit nebeneinander – ein Durchkommen für Leute, die es eilig haben, ist schwierig. So jedenfalls mein Eindruck aus ein paar wenigen Rolltreppenfahrten im Bahnhof von Kyoto.

Eine mögliche Ursache für diese atypische japanische Unorganisiertheit sollte ich unmittelbar daraufhin in Osaka ausfindig machen: ein eigentlicher „Clash of Cultures“ auf dem Gebiet des Rolltreppenfahrens zwischen Tokyo und der Kansai-Region, angeführt von Osaka und Kobe. Denn in Osaka und Kobe herrscht – wie in Tokyo – ein klares System, jedoch mit ungekehrtem Vorzeichen: „Rechts stehen, links gehen“ – so wie wir es beispielsweise vom Hauptbahnhof Zürich her (mit seinen gelben Fussabdrücken auf der grossen Rolltreppe) kennen.

Angesprochen auf diesen unübersehbaren Unterschied zwischen Kanto und Kansai, meinte eine japanische Bekannte: Ja, das stimme. Das sei wohl auf den Anti-Tokyo-Reflex der Kansai-Bewohner zurückzuführen. Also im Sinne von: „In Tokyo steht man links, deshalb stehen wir gerade extra rechts.“

Ob diese Vermutung stimmt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass beim Rolltreppenfahren tatsächlich regionenspezifische Unterschiede bestehen, die ich so nicht erwartet hätte. Und dass ich mich also, wenn ich mich in Japan automatisch auf die linke Seite einer Rolltreppe stelle, nicht einfach bloss als ein „an Japan angepasster Europäer“ oute, sondern präziser: als ein „an Tokyo angepasster Europäer“, oder zumindest: als ein „nicht an Kansai angepasster Europäer“. Womit ich mich gut abfinden kann, habe ich doch bislang mit Kobe und Osaka abgesehen von ein paar wenigen Sightseeing-Tagen nicht viel am Hut, während ich mich in Tokyo ziemlich heimisch fühle.

Die Unorganisiertheit in Kyoto erkläre ich mir sodann als Aussenstehender damit, dass die vielen aus Tokyo angereisten (links stehenden) japanischen Touristen und Geschäftsleute auf die (rechts stehenden) Kanto-Bewohner treffen, was zum angesprochenen Durcheinander führt. Wäre zumindest eine Möglichkeit. Weitere Nachforschungen erwünscht.

Früchte

26. April 2009

Früchte in einem Konbini in Kanazawa

Müsste eine Rating-Agentur den japanischen Früchten ein Gütesiegel erteilen – die Bestnote AAA wäre ihnen auf sicher. So werden denn die Früchte in den japanischen Läden auch so verpackt, als wären sie kleine Kostbarkeiten.

Und entsprechend vornehm ist auch ihr Preis: Ein Apfel, 220 Yen – umgerechnet zurzeit fast 2.60 CHF.

Aber eben: Qualität hat ihren Preis. Sorgfältig eingepackte sowieso.

Hanami

21. April 2009

Hanami im Yoyogi-koen in Tokyo

Hanami (花見) bedeutet wörtlich so viel wie „Blumen resp. Blüten schauen“, wobei sich der Ausdruck in Japan stets auf die Blüten der japanischen Kirschbäume  bezieht.

Es handelt sich dabei um eine japanische Tradition, die von Alt und Jung gleichermassen gelebt wird. Um dem Anlass auch in sprachlicher Hinsicht die gebührende Ehre zu erweisen, wird zuweilen auch von o-hanami gesprochen. Zum Kirschblühten-Schauen gehört – nebst Speis und Trank (wobei bei den Erwachsenen Bier und japanischer Sake zu den beliebtesten Getränken zählen) – eine Unterlage, die unter den blühenden Kirschbäumen ausgebreitet werden kann. (In der Regel eine stabile blaue oder grüne Plastik-Blache mit Ösen an den Rändern, für die, die es interessiert, oder für die, die wie wir zu Hause auch ein solches Exemplar besitzen. Woher auch immer.) Was dem westlichen Betrachter beim Anblick der idyllischen Szenerie auffällt: Die Schuhe werden ausgezogen, ehe man die Blache betritt. Alles hat seine Ordnung, Dreck auf der Blache hin oder her.

Zusammengefasst könnte man Hanami also beschreiben als ein Picknick unter blühenden Kirschbäumen.

Respektive, wenn die Senioren und Mütter mit ihren Kindern den abendlichen Hanami-Besuchern Platz gemacht haben, zuweilen auch: als ein Botellón unter blühenden Kirschbäumen. Einfach mit Dosen anstatt mit Flaschen.

Und mit Stil.

Subway in der Schweiz

22. März 2009

Subway in Zürich

Vor kurzem ist ein Mitglied meiner Familie der facebook-Gruppe „For Subway to come back in Switzerland!“ beigetreten. Die Beschreibung dieser Gruppe:

I’m fed up having to go to London to eat one of their delicious sandwiches!!! Come back!

Die gute Nachricht aus dem Land der Indianer, auch Schweiz genannt:

Subway is back already.

Den Beweis liefert die obige Foto, aufgenommen an der Sihlstrasse 99 in 8001 Zürich. Eine zweite Subway-Filiale wurde zudem gemäss Wikipedia im Oktober 2008 an der Wilerstrasse 82 in 9200 Gossau SG eröffnet.

Ich gehe davon aus, dass es dort auch Freshmeat’s Lieblings-Sandwich „1 Foot Nr. 11, mit Honey Oat Brot, Scheibenkäse, getoastet“ gibt.

Mampf. („Guten Appetit“ sagt man in den USA bekanntlich nicht.)

Banana Republic

6. Februar 2009

Banana Republic (Chicago)

In der Schweiz wird sie bei Missständen oft beschworen – in den USA lädt sie gar zum Einkaufen ein: die Bananen-Republik, obige Niederlassung angetroffen in Downtown Chicago.

So gesehen, wenn ich es mir recht überlege: Eigentlich würde sich die aktuelle Wirtschaftslage geradewegs dazu anerbieten, ein Unternehmen namens „Grounding“ zu gründen – oder Otto’s Warenposten endlich einen modernen Namen zu verpassen.

Eine spontane Idee für das Firmen-Logo hätte ich auch bereits: ein auf einem Fluss erfolgreich notgelandetes Flugzeug.

Natürlich mit Schweizer Kreuz.