Verstopfte Strassen

Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat Ende August den Nationalstrassen-Bericht für das Jahr 2011 veröffentlicht. Fazit der NZZ: „So viel Verkehr wie noch nie auf Schweizer Autobahnen„.

Auffällig ist insbesondere die Zunahme der Staustunden um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es scheint, als würden die Schweizer Autobahnen langsam, aber sicher an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Dass gewisse Strassen ab und zu etwas „verstopft“ sind (Englisch: „congested“), ist aus volkswirtschaftlicher Sicht grundsätzlich kein Problem (wie mir bei der Lektüre im Buch „Lectures on urban economics“ aus der Feder von Jan Brueckner kürzlich bewusst wurde). Im Gegenteil: Optimalerweise ist jede Strasse im Verlaufe ihres Bestehens einmal etwas verstopft. Ist dies nicht der Fall, hätte möglicherweise auch eine kleinere – und kostengünstigere – Strasse den gleichen Zweck erfüllen können. Gleichzeitig sind jedoch die meisten beobachtbaren Staus volkswirtschaftlich nicht optimal, da die „Verstopfung“ des Verkehrsnetzes grösser ausfällt, als sie im Optimum vorherrschen würde. Der Grund: Jeder Verkehrsteilnehmer berücksichtigt in seinem Entscheid, eine viel befahrene Strasse (trotzdem) zu benützen, nur seine eigenen Kosten (namentlich die Zeit, die er im Stau steht). Die Kosten, die er für alle anderen Verkehrsteilnehmer verursacht (nämlich, dass diese wegen ihm noch länger im Stau stehen), zieht er dagegen nicht in Betracht.

Ein Strassenausbau ist oftmals nicht der effizienteste Weg, das Stauproblem in den Griff zu kriegen. Sinnvoller wäre es in den meisten Fällen, das Verkehrsvolumen in den Spitzenzeiten zu verringern – beispielsweise, indem während der Rush Hour eine zusätzliche Steuer für die Benützung einer viel befahrenen Strasse erhoben wird. Dies würde gewisse Verkehrsteilnehmer dazu veranlassen, ein anderes Transportmittel zu benützen oder ihre Fahrt auf einen früheren oder späteren Zeitpunkt zu verlegen. Das Resultat wäre weniger Stau – bei gleichbleibender Strassenkapazität. Die zusätzlichen Steuereinnahmen könnten beispielsweise für die Finanzierung von Verkehrsausgaben (oder die Senkung anderer Steuern) verwendet werden.

Leider gestaltet sich die praktische Umsetzung solcher Ideen in der Realität als schwierig – nicht nur aus politischen, sondern auch praktischen Gründen. Und so muss ich nach der Lektüre des referenzierten NZZ-Artikels wahrscheinlich auch meine (naive) Idee, man könnte während der typischen Stauzeiten am Gotthard (Ostern, Pfingsten, Sommerferienwochenenden, etc.) für die Fahrt durch den Tunnel oder über den Pass eine Maut verlangen und so das Verkehrsaufkommen während der Spitzenzeiten brechen, verwerfen.

Denn am Gotthard gab es im vergangenen Jahr nicht während 10 oder 20 Tagen Stau. Sondern während deren 182 Tagen (vor dem Südportal) resp. 150 Tagen (vor dem Nordportal).

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