Nachtrag: Rolltreppen

Rolltreppe in Kobe

In meinem Blog-Eintrag vom 23. Dezember 2006 zum Thema „Rolltreppen“ hatte ich geschrieben:

Ob hinauf oder hinunter – die Rolltreppen erleichtern den Metro-Reisenden das tägliche Pendeln sehr. Das ungeschriebene Gesetz dabei lautet: “Links stehen, rechts gehen.”

Während meines diesjährigen Japan-Aufenthalts musste ich überrascht feststellen, dass in Japan gilt: Andere Städte, andere Sitten.

Was in Tokyo unvorstellbar ist, scheint in Kyoto an der Tagesordnung zu sein: Rolltreppenfahren ohne System, wie es in der Schweiz die Regel ist. Manche stehen links, manche stehen rechts, manche zu zweit nebeneinander – ein Durchkommen für Leute, die es eilig haben, ist schwierig. So jedenfalls mein Eindruck aus ein paar wenigen Rolltreppenfahrten im Bahnhof von Kyoto.

Eine mögliche Ursache für diese atypische japanische Unorganisiertheit sollte ich unmittelbar daraufhin in Osaka ausfindig machen: ein eigentlicher „Clash of Cultures“ auf dem Gebiet des Rolltreppenfahrens zwischen Tokyo und der Kansai-Region, angeführt von Osaka und Kobe. Denn in Osaka und Kobe herrscht – wie in Tokyo – ein klares System, jedoch mit ungekehrtem Vorzeichen: „Rechts stehen, links gehen“ – so wie wir es beispielsweise vom Hauptbahnhof Zürich her (mit seinen gelben Fussabdrücken auf der grossen Rolltreppe) kennen.

Angesprochen auf diesen unübersehbaren Unterschied zwischen Kanto und Kansai, meinte eine japanische Bekannte: Ja, das stimme. Das sei wohl auf den Anti-Tokyo-Reflex der Kansai-Bewohner zurückzuführen. Also im Sinne von: „In Tokyo steht man links, deshalb stehen wir gerade extra rechts.“

Ob diese Vermutung stimmt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass beim Rolltreppenfahren tatsächlich regionenspezifische Unterschiede bestehen, die ich so nicht erwartet hätte. Und dass ich mich also, wenn ich mich in Japan automatisch auf die linke Seite einer Rolltreppe stelle, nicht einfach bloss als ein „an Japan angepasster Europäer“ oute, sondern präziser: als ein „an Tokyo angepasster Europäer“, oder zumindest: als ein „nicht an Kansai angepasster Europäer“. Womit ich mich gut abfinden kann, habe ich doch bislang mit Kobe und Osaka abgesehen von ein paar wenigen Sightseeing-Tagen nicht viel am Hut, während ich mich in Tokyo ziemlich heimisch fühle.

Die Unorganisiertheit in Kyoto erkläre ich mir sodann als Aussenstehender damit, dass die vielen aus Tokyo angereisten (links stehenden) japanischen Touristen und Geschäftsleute auf die (rechts stehenden) Kanto-Bewohner treffen, was zum angesprochenen Durcheinander führt. Wäre zumindest eine Möglichkeit. Weitere Nachforschungen erwünscht.

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