Archive for Februar 2009

Japanisches karē raisu

27. Februar 2009

Japanisches kare raisu

In kulinarischer Hinsicht stand bei mir die letzte Woche ganz im Zeichen einer „International Week“. Am Montagabend gönnte ich mir seit langem wieder einmal bei McDonald’s einen Burger mit Pommes frites und einer grossen Cola. Ganz wie damals am Flughafen O’Hare in Chicago nach meiner Ankunft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Und am Dienstagmittag übte ich mich – erst zum zweiten Mal in nunmehr genau zwei Jahren – als japanischer Koch und zauberte ein karē raisu, was so viel heisst wie „Curry Rice“, auf den Tisch.

Kenner der japanischen Küche werden bemerken: „Naja, so schwierig ist das nicht.“ Und in der Tat heisst es sogar auf Wikipedia:

One reason why curry is so popular in Japan is that it is very easy to make compared to many other Japanese dishes. It can be made from a ready-made curry sauce mix, or roux (カレールー), in under an hour.

Allein: Ich konnte auf der japanischen Packung der besagten Curry-Würfel, die den ganzen Charakter des japanischen karē ausmachen, kaum etwas lesen, geschweige denn verstehen, und hatte auch keine Lust, mich darin zu üben oder eine kurze Internet-Recherche durchzuführen. So kochte ich denn das Curry grösstenteils nach dem bewährten Rezept „Freestyle“ resp. „Handgelenk mal Pi“, mit der kleinen Bildanleitung auf der Verpackung als einziger Unterstützung.

Als Zutaten verwendete ich gewürfeltes Schweinefleisch, Zwiebeln, Kartoffeln und Karotten. Schenkt man obigem Wikipedia-Beitrag Glauben, deckte ich damit sogar alle Grundzutaten des karē raisu ab.

Geschmeckt hat das karē jedenfalls genau so, wie ich es in Erinnerung hatte. Hätte ich zusätzlich auch noch japanischen Reis zur Hand gehabt anstelle von Uncle Ben, der als „lender of last resort“ meines Vorrats spontan in die Bresche springen musste, ich hätte in Anlehnung an Norah Jones stolz behaupten können: „Tasted like home“.

Gegessen habe ich das kare raisu natürlich – wie es sich in Japan gehört – nicht mit Gabel und Messer oder Essstäbchen, sondern stilecht mit dem Löffel.

gochisosama deshita.

Nachtrag: Japan revisited

17. Februar 2009

Der japanische Botschafter in der Schweiz, Ichiro Komatsu, ist dieser Tage ein gefragter Mann. Einerseits musste er der NZZ am Sonntag zum Freihandelsabkommen der Schweiz mit Japan, welches am 19. Februar 2009 in Tokyo unterzeichnet wird, Red und Antwort stehen. Andererseits fragte ihn die Coopzeitung im Rahmen ihres „Asien Spezial“ nach seinen Erfahrungen in und mit der Schweiz.

In beiden Interviews verwies der Botschafter auf die Gemeinsamkeiten zwischen Japan und der Schweiz, jeweils mit Bezugnahme auf unterschiedliche Aspekte. Deshalb an dieser Stelle als Nachtrag zu meinem „Japan revisited“-Artikel der entsprechende Ausschnitt aus dem Gespräch mit dem Coopmagazin:

Japan und die Schweiz sind zwar weit entfernt, haben jedoch mehrere Gemeinsamkeiten. Beide Länder sind nicht sehr gross, aber sehr gebirgig und haben wenige natürliche Ressourcen. Sie haben sich dank dem fleissigen Volk entwickelt und halten die Pünktlichkeit und das Handwerk für ausgesprochen wichtig.

Die Schweiz hat sehr viele verschiedene ländliche Merkmale auf relativ engem Raum, welche eine weitere Gemeinsamkeit mit Japan darstellen.

Der grösste Unterschied zwischen den beiden Ländern?

Japan ist eine Insel, von Meer umgeben, und die Schweiz ist ein Binnenland.

Was auch für die japanischen Restaurants eine Herausforderung darstellt, wie der Botschafter zu berichten weiss:

Im Vergleich zu meiner Zeit in Genf ist heute in der Schweiz, wie in der ganzen Welt, das Interesse an japanischem Essen sehr gross. Dies freut mich sehr. Die japanische Regierung setzt sich sehr für die Förderung der japanischen Esskultur ein. In Bern gibt es einige japanische Restaurants, welche sehr beliebt sind. Wir möchten uns aber darum bemühen, dass die Botschaftsresidenz das beste „Restaurant“ in Bern wird. Der Erfolg der japanischen Küche ist sehr auf Qualitätsprodukte angewiesen. Mein Koch geht immer zu Coop, um danach zu suchen. Im Binnenland Schweiz kann man fast alles kaufen, jedoch ist es nicht immer leicht, frische Fische für Sashimi zu finden.

Coop wird die Werbung von hoher japanischer Stelle sicherlich gefreut haben.

Japan revisited

11. Februar 2009

In früheren Blog-Beiträgen hatte ich immer wieder auf die vielen Gemeinsamkeiten von Japan und der Schweiz hingewiesen. Auf Gemeinsamkeiten, an welche Schweizer, die sich bis zum heutigen Tage mit Japan nicht beschäftigt haben, wohl spontan nicht denken würden. Gemeinsamkeiten, die tief in den Kulturen verwurzelt sind, auch wenn sie zuweilen an der Oberfläche verborgen bleiben.

So war es mir eine ehrliche Freude, als ich bei der Sonntagslektüre erfahren durfte, dass ich mit meiner Einschätzung aus schweizerischer Perspektive nicht alleine bin, sondern dass es offensichtlich den Japanern ganz ähnlich ergeht. Der japanische Botschafter in der Schweiz, Ichiro Komatsu, jedenfalls wies in seinem Gespräch mit der NZZ am Sonntag über das Freihandelsabkommen zwischen Japan und der Schweiz genau auf diesen Aspekt hin:

Es gibt eine Menge Werte, welche Japan und die Schweiz teilen: Beides sind Staaten, die sich zu Freiheit, Demokratie, Marktwirtschaft, Menschenrechten und Rechtsstaat bekennen.

Die Japaner lieben die Schweiz sehr, und ich hoffe, dass Japan hier genauso beliebt ist. Es ist ja auch so, dass wir bilateral keine grösseren Probleme haben. Unsere Länder haben erstaunliche Gemeinsamkeiten. Oder kennen Sie ein anderes Land, wo sich das Personal entschuldigt, wenn sich ein Zug verspätet?

Ob sich das Zugspersonal auch in anderen Ländern für Verspätungen entschuldigt, entzieht sich meiner Kenntnis. So überraschend wäre es aber aus meiner Sicht nicht, auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann, dass sich das amerikanische Zugpersonal für die Verspätungen der Metra in Chicago entschuldigt hätte. Aber die Versptäungen hatten sich jeweils auch in engen Grenzen gehalten.

Dafür weiss ich, dass Japan – wie von Ichiro Komatsu erhofft – in der Schweiz tatsächlich bei vielen Menschen hohe Wertschätzung geniesst, und durfte dies gerade gestern via facebook-Nachricht eines Bekannten wieder einmal erfahren:

Wohere gosch im März uf Japan? Bin im Oktober gschäftlich en Wuche in Tokyo gsi. Isch min erscht Japanufenthalt gsi. Bin begeisteret vo de Einzigartikeit vo de japanische Kultur und wird sicher mol privat go.

Wohin ich im März in Japan gehen werde? Immer der Kirschblühte und meinen Freunden und Bekannten nach. Aller Voraussicht nach zuerst nach Tokyo und dann in die Kansai-Region mit Kyoto, Nara, Osaka und Kobe,  vielleicht weiter nach Himeji und Kurashiki. Und natürlich wieder an den Fuss des Fujisan.

日本に帰ります。Ich kehre nach Japan zurück. Vom 28. März bis 10. April 2009.

Freude herrscht!

Banana Republic

6. Februar 2009

Banana Republic (Chicago)

In der Schweiz wird sie bei Missständen oft beschworen – in den USA lädt sie gar zum Einkaufen ein: die Bananen-Republik, obige Niederlassung angetroffen in Downtown Chicago.

So gesehen, wenn ich es mir recht überlege: Eigentlich würde sich die aktuelle Wirtschaftslage geradewegs dazu anerbieten, ein Unternehmen namens „Grounding“ zu gründen – oder Otto’s Warenposten endlich einen modernen Namen zu verpassen.

Eine spontane Idee für das Firmen-Logo hätte ich auch bereits: ein auf einem Fluss erfolgreich notgelandetes Flugzeug.

Natürlich mit Schweizer Kreuz.