Effiziente Aktienmärkte?

Im Kurs „Investments“ an der Chicago Booth setze ich mich derzeit intensiv mit den Kapitalmärkten auseinander. Im Zentrum des Interesses steht dabei die – weiterhin kontrovers diskutierte – Frage, ob Kapitalmärkte effizient sind. Dies wäre gleichbedeutend damit, dass die Aktienkurse im Durchschnitt alle verfügbaren Informationen korrekt widerspiegeln und sich folglich höhere erwartete Renditen nur durch das Eingehen eines entsprechend höheren (Markt-)Risikos erzielen liessen. Im Gleichgewicht würde in diesem Fall jeder Investor eine Kombination aus einem breit diversifizierten Marktportfolio (z.B. in der Form eines Index-Fonds) und einer risikolosen Anlage (z.B. einer Staatsanleihe) halten.

Für das gezielte Auswählen bestimmter Aktien auf der Basis von Aktienanalysen aller Art (ob technischer oder fundamentaler Natur) bliebe in einer solchen Welt der effizienten Kapitalmärkte ebenso wenig Platz wie für das raffinierte Ausbeuten von allfälligem irrationalem Verhalten der Marktteilnehmer (z.B. Abneigung, Verluste zu realisieren). Manager aktiver Fonds müssten als letzte Konsequenz zusammenpacken – denn das Marktportfolio wäre für alle die zugleich einzige und beste Lösung, was die Zusammenstellung des Aktiendepots anbelangt.

Soweit – ganz knapp – die Theorie. Was aber meint die Empirie zu dieser Hypothese effizienter Kapitalmärke?

Aktienmärkte am 24. November 2008

Nicht nur, aber ganz besonders an Tagen wie dem heutigen fällt es (sogar einem Chicagoer Studenten) schwer zu glauben, dass Kapitalmärkte durch und durch effizient sein sollen. Oder gehen die Investoren rund um den Globus tatsächlich davon aus, dass das diskontierte zukünftige Ertragspotenzial der führenden Industrieländer am heutigen 24. November 2008 auf einen Schlag um satte 5-10% gestiegen ist? In Deutschland gar um deren 10%?

Ich denke nicht. Aber wie sagt der Volksmund so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel.

So schliesse ich denn mit einem Zitat aus meinem Lehrbuch von Bodie, Kane und Marcus, das nicht nur die heutige wissenschaftliche Meinung in einem Satz zusammenfasst und dabei alle passiven Investoren in ihrer Anlagestrategie bestätigt, sondern auch allen „Ich schlage den Markt“-Investoren neue Hoffnung gibt:

We conclude that markets are very efficient, but that rewards to the especially diligent, intelligent, or creative may in fact be waiting.

„Hätte ich doch am Freitag UBS-Aktien gekauft“ zählt nicht in diese Kategorie.

PS: Wer sich für die Frage interessiert, ob jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um in Aktien zu investieren, dem kann ich den im Wall Street Journal erschienenen Artikel „Is Now the Time to Buy Stocks?“ der Chicagoer Finance-Koryphäe John H. Cochrane wärmstens empfehlen.

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