Archive for September 2008

Chicago Skyline at night

30. September 2008

Downtown Chicago ist von der Gestalt und Architektur her eine wunderschöne Stadt: Viele unterschiedliche,  aber sich wunderbar zu einem Ganzen fügende Hochhäuser, die zumeist von renommierten Architekten erbaut wurden. Dazwischen viel Luft, Raum und Licht, was dem Besucher auch im Herzen der Stadt stets ein Gefühl der Leichtigkeit und Unbeschwertheit vermittelt.

Am Tag – ganz besonders aber auch in der Nacht.

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Dollar-Noten

29. September 2008

Dollar-Noten weisen zwei unauffällige Besonderheiten auf: Einerseits sind alle Dollar-Noten unabhängig ihres Nennwerts gleich gross, und andererseits sind alle Noten in den gleichen Schwarz-Grün-Tönen gehalten.

Die Folge: Die Unterscheidung fällt schwieriger als bei anderen Währungen, wo sowohl Grösse als auch Farbe der verschiedenen Noten deutlich verschieden sind.

Anyway. Ich hoffe einfach, dass sich die Service-Angestellte gestern Samstagmittag über das ungewöhnlich hohe Trinkgeld nicht nur gewundert, sondern auch gefreut hat. Gut 12 Dollar Trinkgeld für ein 8.5-Dollar-Mittagessen erhält sie wohl nicht alle Tage.

Gestern hatte sie es aber zumindest auch verdient.

Social Events an der Chicago GSB

26. September 2008

Das Schöne an einer amerikanischen Top Business School, die im brandaktuellen weltweiten Full-Time MBA Ranking der Economist Intelligent Unit auf Platz 3 rangiert (nach dem 1. Platz im vergangenen Jahr) und deren 2-Jahresprogramm jeden Studierenden fast 100’000 USD kostet (macht knapp 5’000 USD pro Quartalskurs, oder rund 500 USD für jede einzelne Vorlesung!): Es wird einem auch neben den eigentlichen Vorlesungen einiges geboten.

So beispielsweise heute Freitagnachmittag: Anderthalb Stunden lang kostenlos Speis und Trank, wobei das Fleisch für die Hamburger auf dem Vorhof der GSB frisch zubereitet wurden. Drinnen bot sich den Studenten nebst verschiedenen nichtalkoholischen Getränken unter anderem die angenehme Qual der Wahl zwischen verschiedenen Bier-Sorten.

Das Überraschendste und zugleich Überzeugendste am ganzen Anlass: Auch um 17.55 Uhr, d.h. 5 Minuten vor dem offiziellen Ende der Veranstaltung, war trotz Grossandrangs der Studenten (es fand gleichzeitig die Vereinsbörse statt) noch von allen Speisen reichlich vorhanden. Die unterschwellige Angst vieler (Austausch-)Studenten, das Essen könnte nach wenigen Minuten knapp werden und deshalb Eile vonnöten sein, stellte sich also als vollkommen unbegründet heraus. Wunderbar – so wie es sich für eine Weltklasse-Universität eben gehört.

Noch schöner ist nur eines: Die Vorfreude darauf, dass uns Studierenden auch an den kommenden Freitagnachmittagen jeweils etwas geboten werden soll. Inklusive mir, der ich mit meinem Semestergeld an der Universität St. Gallen von rund 1000 CHF gerade einmal ein Äquivalent von zwei einzelnen GSB-Vorlesungen bezahle. Die erste habe ich heute Freitag bereits genossen, die zweite steht morgen Samstagmorgen auf dem Programm.

Der ganze Rest: a free lunch, sozusagen, im wahrsten Sinne des Wortes. Lucky me.

Wasser

26. September 2008

Damit nach dem gestrigen eher kritischen Beitrag nicht fälschlicherweise der Eindruck ensteht, dass es mir in Chicago nicht gefallen sollte, heute zur Abwechslung ein Lob an die amerikanische Gastronomie: Es lebe das Gratis-Wasser!

Wer in einem Restaurant Platz nimmt, erhält automatisch und kostenlos Wasser mit Eiswürfeln serviert. Wer will, kann sich in der Folge noch ein anderes Getränk (wie die abgebildete Cola) bestellen – eine (moralische) Pflicht dazu besteht jedoch im Gegensatz zum Restaurant-Besuch in der Schweiz, wo die Konsumation eines Getränks implizit vorausgesetzt wird, nicht. Ähnliches gilt übrigens auch für Restaurants in Japan, wo nebst kostenlosem Wasser teilweise auch kostenloser Grüntee serviert wird.

Wunderbar – zumal in den USA im Preis von Soft Drinks oft auch gerade noch eine Nachfüllung inbegriffen ist.

Übergewicht

25. September 2008

Anzeige "Do you overeat" an der Universität Chicago

Einer der ersten Eindrücke, die ich mit meinem Austauschsemester 2006/2007 in Japan verbinde: Auf dem SWISS-Flug nach Tokyo nahmen die beiden Japanerinnen auf den Sitzen neben mir vor der Landung ihre Mini-Beauty-Sets hervor und machten sich frisch für die Ankunft in ihrer Heimat. Dieser Eindruck der (über-)gepflegten Japanerinnen sollte sich in der Folge mehr als bestätigen.

Der entsprechende erste Eindruck meines USA-Austauschquartals ist ein ganz anderer: Die beiden Sitznachbarn, eine Amerikanerin und ein Amerikaner, erfüllten auf dem SWISS-Flug nach Chicago mit ihrem Getränke-Konsum das allgemein bekannte amerikanische Ernährungs-Klischee wunderbar: Er trank eine Dose Bier und eine Dose Cola. Sie ebenfalls. Und beide liessen sie den Salat unangetastet stehen.

Und leider muss ich nach drei Tagen Aufenthalt in Chicago als vorläufiges Zwischenfazit anfügen: Offensichtlich sind sie mit ihrem Hang zu ungesunder Ernährung tatsächlich nicht die einzigen. Die Fülle an leicht bis deutlich übergewichtigen Menschen beiderlei Geschlechts ist jedenfalls bereits im Vergleich zur Schweiz frappant – von einem Vergleich mit Japan, wo übergewichtige Menschen eine kleine Minderheit ausmachen, einmal ganz zu schweigen. Da scheinen auch die riesige Auswahl an Low-Fat-Produkten und die auf den meisten Packungen angebrachten Nutrition-Informationen nichts zu helfen.

Um abschliessend auch diesem Umstand etwas Positives abzugewinnen: Immerhin hat es die Forschung bei der Suche nach Leuten, die zu viel essen (Bild), etwas leichter als in anderen Ländern.

Zugegeben: ein schwacher Trost.

Big’n’tasty: Austauschquartal in Chicago

23. September 2008

Big’n’tasty – so möge es sein, mein Austauschquartal von Mitte September bis Mitte Dezember 2008 an der University of Chicago Graduate School of Business (Chicago GSB). Gross im Sinne der Fülle und Vielfalt an Erfahrungen, die ich an und neben der Universität in der „windy city“ sammeln werde. Wohlschmeckend, was die Art dieser Erfahrungen anbelangt.

Vor meiner Abreise in die USA hatte ich mehrere Anfragen aus dem Kollegen- und Familienkreis erhalten, ob ich im Austausch – wie damals im Herbst und Winter 2006/2007 in Japan – erneut regelmässig in Blog-Form berichten würde. Die Antwort nach rund anderthalb Tagen in den Staaten: ich werde.

Da es meines Erachtens aus organisatorischer Sicht keinen Sinn macht, neben diesem bestehenden Blog einen zweiten aufzusetzen, werde ich in den kommenden drei Monaten direkt an dieser Stelle über meine Eindrücke im Land der unbegrenzten Möglichkeiten berichten. Das Motto von „kokoa41 – a gaijin’s view“ wird dabei das alte bleiben: Augen offen halten, genau hinschauen, fotografieren, interpretieren und berichten. Zudem werde ich wo angebracht versuchen, eine vergleichende Perspektive einzunehmen und meine Erfahrungen aus Europa (Schweiz), Asien (Japan) und den USA einander gegenüberzustellen. Denn auch aus Japan gäbe resp. gibt es noch einiges zu berichten.

Ich freue mich darauf, euch in den kommenden Wochen als Leser dabei zu wissen und dem Blog neues – kalorienreiches – Lebenselexier einzuhauchen, auch wenn dieses glücklicherweise seit meiner Rückkehr aus Japan nie ganz versiegt ist. Ich entschuldige mich vorab bei all jenen, die allein an meiner Sicht auf Japan interessiert sind, für mein interkontinentales Fremdgehen und hoffe, dass auch diese Leser das eine oder andere Spannende, Unerwartete und Amüsante in meinen Blog-Beiträgen finden werden. I’ll try my best.

Brot

13. September 2008

Brot-Auswahl in einem japanischen Convenience Store

Die japanische Brotkultur – ein Fall für sich. Einerseits findet sich in den Regalen der japanischen Convenience Stores eine so reichhaltige Palette an Brot an, wie sie hierzulande kaum an einem Ort anzutreffen ist. Gleichzeitig zählt Brot aber auch zu jenen Dingen, die Deutsche oder Schweizer in Japan am meisten vermissen.  Weshalb?

Meine Erklärung: Es gibt zwar in Japan jede Menge Brötchen gefüllt mit Konfitüre, Brötchen mit Curry-Sauce, Brötchen gespickt mit Trauben, süsse Brötchen, und natürlich die legendären Melonen-Brötchen – aber „echtes Brot“, mit einer harten Kruste und einem weichen Kern (im Fachjargon „Krume“ genannt), kennen die Japaner nicht wirklich. Dafür allerhand weiche Brötchen gefüllt oder gespickt mit weiss der Gugger was, sowie natürlich das „Paradebrot“ an sich: Toast. Grundsätzlich gilt in Japan denn auch weitgehend die folgende Gleichung: Brot = Toast.

Wer sich weder gewöhnlichen Toast noch abgepackte Brötchen aus dem Supermarkt oder konbini zu Gemüte führen möchte, dem bietet sich eine dritte Alternative: Ein Besuch in einer der zahlreichen Bäckereien mit zumeist französischen Namen. Mit einer Zange kann der Besucher dort aus den verschiedensten Brot- resp. Brötchensorten die wildesten Kreationen auswählen. Von der Atmosphäre her ähnelt der Einkauf in einer solchen Bäckerei einem Besuch in einer europäischen Konditorei – jedes Brötchen ein wertvolles Einzelstück, das es zu hegen gilt. Entsprechend vornehm auch die Preise.

Allein: Wer „richtiges Brot“ sucht, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch hier nicht fündig werden. Dafür steht ihm ein riesiges Angebot an Brötchenspezialitäten offen – Brötchen gefüllt mit was immer das (japanische) Herz begehrt. Überaus leckere Brötchen zwar, mit Raffinesse entworfen und mit Liebe zubereitet, die ihren Preis durchaus wert sind.

Brötchen aber auch, die mit einem hundskommunen St. Galler Pfünderli einfach nicht zu vergleichen sind.