Japanisches Bad

Badewanne

In Japan hatte ich mich richtiggehend daran gewöhnt: an das abendliche Bad im vorzugsweise 41 Grad warmen Wasser. Traumhaft entspannend.

In der Schweiz hatte ich mir seit meiner Rückkehr aus Japan vor rund anderthalb Jahren erst einmal ein japanisches Bad in der WG-Badewanne gegönnt: Als zu gross erachte ich jeweils den Aufwand, für mich alleine eine ganze Badewanne mit heissem Wasser einzulassen, um anschliessend nur wenige Minuten darin zu verbringen. In Japan benützte jeweils die ganze Familie dasselbe Wasser, sodass sich der Energie- und Wasseraufwand auf mehrere Personen verteilten – zumal dasselbe Wasser am nächsten Morgen noch zur Kleiderreinigung in der Waschmaschine eingesetzt wurde. Als zusätzlicher hinderlicher Faktor kommt in einem normalen Badewanne-mit-Duschbrause-Bad hinzu, dass für ein richtiges japanisches Baderitual, das aus Dusche und Bad besteht, eine Nasszelle zu wenig verfügbar ist.

Nicht so im Hotelzimmer, in dem ich diese Woche geschäftlich logierte. Die Kombination von separater Badewanne und Dusche wollte ich mir denn nicht entgehen lassen.

Und so gönnte ich mir seit langem wieder einmal ein entspannendes Bad nach japanischer Art, wie ich sie von meinem Gastvater in Japan gelernt hatte: zuerst heiss duschen, dann heiss baden, dann nochmals heiss duschen – und weil es so schön war, die ganze Prozedur ein zweites Mal. Natürlich hatte ich weder einen Thermometer noch einen japanischen Badcomputer zur Temperaturregulierung zur Hand, sodass ich mich bein der Temperierung des Wassers ganz auf meine subjektive Erfahrug verlassen musste.

Nach einer kleinen Adjustierung der Temperatur durch die Zugabe von etwas kaltem Wasser am Ende war das Ergebnis schliesslich perfekt – so, wie es eben sein muss: Beim Einsteigen ein leichtes Brennen, gerade so, dass es nicht wirklich unangenehm ist. Schweres, aber zugleich entspannendes Atmen. Jede Bewegung in der Wanne erneut mit leichtem Brennen verbunden. Entspannung pur. Nach einigen wenigen Minuten die ersten Schweisstropfen über die Stirn kullernd. Kurz darauf ein langsam aufkommendes Gefühl des Schwindels, dann des Unwohlseins – ein untrügliches Zeichen, dass die Zeit gekommen ist, die Wanne wieder zu verlassen. Mit schweren Armen und Beinen, fast wie nach einer langen Wanderung.

Nach abschliessender Dusche sich noch leicht feucht auf das Bett legen und das Nachbrennen – dieses Mal von innen – geniessen.

Der Badzimmer-Spiegel: beschlagen. Das Gefühl: unvergleichlich.

Badewanne

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4 Antworten to “Japanisches Bad”

  1. Takuya Says:

    Hehe, du müsstest in die PR-Branche für japanische Bäder einsteigen: Wirklich toll geschrieben! 🙂

  2. evelyneb Says:

    ja, heisse bäder sind wirklich traumhauft… habe zwar noch nie japanisch gebadet, aber das klingt doch sehr ähnlich wie mein samstägliches, genüssliches „wellnessen“.

    leider hörte der schwindel bei meinem letzten bad bzw. der abschliessenden dusche nicht auf, und ich wachte nach ein paar sekunden schwärze neben der wanne auf. mit blutiger unterlippe und schmerzendem, weil irgendwo angehauenen, oberschenkel. obs wohl daran lag, dass ich ebenfalls keinen thermometer zur hand hatte und das wasser einfach zu heiss war? baden ist jedenfalls in den nächsten wochen erst einmal tabu…

  3. kokoa41 Says:

    Lieber Takuya, liebe evi**

    Herzlichen Dank für eure Rückmeldungen! Es freut mich natürlich, dass mein Artikel sogar bei einem echten Japan-Kenner wie Takuya auf positives Echo stösst. 🙂
    Andererseits zeigt evi’s Kommentar, dass Baden im japanischen Stile in der Schweiz offenbar auch über Anhänger verfügt, welche den japanischen Badekult gar nicht kennen. „Wellnessen“ nennt man dies also hierzulande… naja. Irgendwie ist es dann mit dem Zauber dahin, auch wenn du natürlich Recht hast, evi. Der Reiz des japanischen Bades rührt wohl eben gerade von seiner Einfachheit her: heisses Wasser – und das wärs (kein Sprudel, kein Schaum, kein Quietscheentchen). Zum eigentlichen Baderitual gehört aber natürlich noch das kleine Plastikstühlchen und die Duschbrause in der angrenzenden Nasszelle dazu – etwas, das hierzulande wahrscheinlich weniger verbreitet ist. Nach evi’s Schilderungen sollte man dies indes vielleicht ändern: Wer im Sitzen (ebenfalls heiss) duscht, kann nicht tief fallen.

    Ich wünsche euch in jedem Fall – mit oder ohne heissem Bad – ein erholsames Wochenende und dir, evi, gute Besserung!

  4. TuranTR Says:

    hehe Das hast du echt schön beschrieben. So ist es bei mir immer, wenn ich ein Bad nehme. Aber auch unter der Dusche stell ich das Wasser auf ziemlich heiss, ist wirklich sehr entspannend, vor allem wenn das ganze Badezimmer von Dampf angeschlagen ist und man schwierig Luft bekommt. ^^

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