Archive for Juli 2008

Tōya-ko (Lake Toya)

27. Juli 2008

Anfangs Juli war der Ort Toyako als Austragungsort des diesjährigen G8-Gipfels in Hokkaidō in aller Medien Munde. Während nicht nur über die Verhandlungen der politischen Machthaber, sondern auch über die Freizeitaktivitäten der mitgereisten Gattinnen ausgiebig berichtet wurde, blieb eine Vorstellung des Veranstaltungsortes – zumindest, soweit ich die Berichterstattung mitverfolgen konnte – weitgehend aussen vor.

So wurde kaum einmal erwähnt, dass es sich beim Tōya-ko (zu Deutsch Tōya-See) um einen wunderschönen runden Kratersee handelt, umgeben von einer pittoresken Landschaft. Dem soll mit den Fotos in diesem Beitrag Abhilfe geschaffen werden. In der Mitte der unteren Aufnahme ist die Insel im Zentrum des Sees zu erkennen, welche rundherum vom See umgeben ist.

Aufgenommen wurden die Bilder vom nahen Vulkan-Berg Usu (usuzan), auf den eine Seilbahn führt und der gleich dreifach eine tolle Aussicht bietet: 1. auf den Lake Toya, 2. auf den erst zwischen 1934 und 1945 entstandenen, 290 Meter hohen Showa Shinzan (siehe nachfolgendes Bild) und 3. auf das nahe Meer.

Als Vorwarnung sei indes angemerkt: Im Winter muss die Aussicht auf den Pazifik hart erkämpft werden, wie das unterste Bild belegt.

Nachtrag Ausländerbehandlung

13. Juli 2008

Kann man als Ausländer Japaner werden?

Dieser Frage ist tabibito in seinem Artikel „Xenophobie in Japan – Kann man als Ausländer jemals Anschluss finden?“ zufälligerweise wenige Tage nach meinem Blog-Beitrag zu meinen persönlichen Erfahrungen als Ausländer in Japan nachgegangen. Helmut hat mich in seinem Kommentar auf den obigen Beitrag hingewiesen, und ich empfehle ihn an dieser Stelle gerne zur Lektüre.

tabibito’s Fazit zur einleitenden Frage: Nein.

Dem würde ich mich anschliessen.

Ausländerbehandlung

4. Juli 2008

Im letzten Blog-Beitrag hatte ich auf die sehr tiefe japanische Ausländerquote von gegenwärtig rund 1.8% verwiesen, und camomilla hatte in ihrem Kommentar zu Recht ergänzt, dass der Anteil der Westler noch viel tiefer liegen muss.

Umso mehr hat mich während meines fünfmonatigen Japan-Aufenthalts überrascht, dass ich mich als Westler in Tokyo nie ausgegrenzt fühlte. Die Menschen pressten sich in der Metro an mich wie an die Japaner (mit durchschnittlichem Körperkontakt zu fünf Personen gleichzeitig während Stosszeiten, nebenbei bemerkt), die konbini-Angestellten begrüssten und verabschiedeten mich mit den geläufigen Standard-Formeln und manch ein Japaner wurde nicht müde, mir eine Frage auf Japanisch mehrmals zu stellen, bloss um verwundert festzustellen, dass ich sie auch nach dem zweiten oder dritten Mal einfach nicht verstehen wollte. Wirklich überrascht war ich, als ich am Eingang zur Metro-Station Heiwadai von einer Politikerin, die für ihren Wahlkampf die Werbetrommel rührte, einen Werbeflyer in die Hand gedrückt erhielt. Würden Sie selber in einem Land mit einer Ausländerquote von weniger als 2% einer Person, die mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen japanischen Pass besitzt, einen Flyer für eine lokale Wahl in die Hand drücken?

Offensichtlich schien ich also trotz meines europäischen Aussehens in der Grossstadt zu keinen Diskussionen Anlass zu geben. Keine neugierigen, keine fragenden, keine abschätzigen Blicke. Meine Nicht-Konformität mit dem aus japanischer (Frauen-)Sicht europäischen Ideal „gross, blonde Haare, blaue Augen“ mag das Ihre dazu beigetragen haben.

Ich persönlich schätzte dieses Gefühl des Nichtauffallens sehr, weil es die Illusion, trotz der Andersartigkeit dazuzugehören, nährte. Auch wenn bekannt ist, dass es in Japan in Wirklichkeit aufgrund des ausgeprägten nationalen Selbstverständnisses ungemein schwierig ist, sich als Ausländer zu integrieren und als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft anerkannt zu werden. Denn:

Als Klammer über alle beruflichen Gräben hinweg gilt, dass alle zum gleichen nationalen Ganzen gehören. Dieser Zusammengehörigkeit werden die eigenen Interessen untergeordnet. Die Furcht besteht nicht ohne Grund, dass mit dem Übergang zur einer Gesellschaft von Einwanderern gerade diese wichtige Konsensbasis der japanischen Gesellschaft zerstört wird. (Urs Schoettli)

Solange man indes als Ausländer nicht das Gefühl hat, am falschen Ort zu sein, sondern sich vielmehr stets willkommen fühlt, lässt es sich in Japan auch als Gaijin bestens leben. Zumindest in der kurzen Frist.