Ausländerquote

Der Zufall wollte es, dass ich am heutigen Tag sowohl der Ausländerquote Japans als auch jener der Schweiz begegnet bin. Der Unterschied könnte grösser nicht sein:

Schweiz: 21% (1.6 Mio.)
Japan: ca. 1.8% (ca. 2 Mio.)

Vor diesem Hintergund überrascht es nicht, dass ich jeweils in Tokyo auf dem Weg zur Uni kaum andere Ausländer zu Gesicht bekam. Dies führte zum sonderbaren Umstand, dass ich jedes Mal beim seltenen Anblick eines anderen Westlers (von den anderen Austauschstudenten einmal abgesehen) dachte: „Was macht denn dieser Gaijin hier?“. Und zwar unweigerlich verbunden mit einem Gefühl der Überlegenheit, weil ich mich als Austauschstudent – zumal als einer, der bei einer japanischen Familie wohnte und Natto nicht verschmähte – selber nicht etwa als Fremdkörper, sondern als Teil der japanischen Gesellschaft betrachtete.

Auch wenn ich mir gleichzeitig bewusst war, dass ich für die mich umgebenden Japaner einen ebenso grossen Fremdkörper darstellen musste wie die westlichen Touristen für mich selber.

PS: All jenen, die sich für die heutige Nachwuchsproblematik in Japan und den Umstand, dass „Japan kein Einwanderungsland sein will“, näher interessieren, kann ich den entsprechenden Artikel von Urs Schoettli in der heutigen NZZ-Ausgabe vom 25. Juni 2008 wärmstens empfehlen.

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7 Antworten to “Ausländerquote”

  1. Helmut Says:

    Hallo!

    Mir ist’s auch fast gleich gegangen – hab z.B. jeden Westler fast blöd angestarrt oder ihn zumindest gemustert.. 🙂

    Den anderen Artikel find ich auch interessant! Wo hast denn du deine News immer her? Übrigens, über diese neuartig eingesetzten Roboter haben wir auch im Intensive Japanese 3-Kurs gelesen.. ^^

  2. kokoa41 Says:

    Vielen Dank für deinen Kommentar, Helmut. Es beruhigt mich, dass ich nicht der einzige Austauschstudent bin, der den anderen Westlern in Japan jeweils einen kritischen Blick zugeworfen hat. 😉

    Die spannenden Japan-Artikel verdanke ich grossmehrheitlich einem guten Kollegen, der mich jeweils auf die in der NZZ erscheinenden Leckerbissen aus dem Land der aufgehenden Sonne aufmerksam macht. Nochmals vielen Dank an Tom an dieser Stelle!

  3. camomilla Says:

    Haha, schon komisch, mir ging’s ähnlich 😉
    Interessant finde ich aber, dass Du „Ausländer in Japan“ so definierst wie viele Japaner „gaijin“, nämlich als „westlich aussehende bzw. eindeutig vom Aussehen her von Japanern abweichende Person“.
    Natürlich „siehst“ Du weniger „Ausländer“, weil 90% der Ausländer in Japan aus anderen asiatischen Ländern kommen – und in Tokyo und den anderen Ballungszentren wird der Ausländeranteil sicher höher als 1,8% sein. Die genauen Statistiken kann ich Dir jetzt nicht präsentieren, aber ich war erstaunt als ich gelesen hatte, wieviel Prozent der Hochzeiten in Shinjuku von Ausländern sind. Oder erinner Dich mal an die China-Town in Yokohama, eine der größten in der Welt, oder Shin-Okubo, die Korea-Town in Shinjuku.
    Du siehst sie nicht, weil sie meist sehr gut Japanisch sprechen, japanische Kleidung tragen und vielleicht sogar japanische Namen haben. Selbst Japaner können Koreaner und Chinesen oder gar Einwanderer 2. oder 3. Generation äußerlich nur schwer von Japanern unterscheiden (es sei denn sie tragen auffällige, eindeutig zuordenbare Kleidung oder sprechen mit starkem Akzent)!
    Der Ausländeranteil in Deutschland beträgt übrigens 8,8%, also auch nicht so viel, zumindest im Vergleich zur Schweiz^^

  4. kokoa41 Says:

    Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, camomilla. Ich stimme deiner Aussage, dass ein grosser Teil der Ausländer, die in Japan leben, keine „Gaijin“ sind und deshalb – zumindest für das europäische Auge – oft unbemerkt bleiben, zu. So schreibt denn auch Urs Schoettli im verlinkten Artikel: „Aufschlussreich ist ferner, dass die Mehrheit der in Japan lebenden Ausländer aus verwandten Kulturen, namentlich aus China und Korea, stammen.“

    Die angegebene Quote von 1.8% bezieht sich auf die Gesamtheit aller in Japan lebenden Ausländer (inkl. geschätzten 250’000 illegalen Ausländern). Folglich liegt die Quote an westlich aussehenden Ausländern nochmals deutlich tiefer… was mit Sicherheit zu der von mir im Beitrag geschilderten Situation beiträgt, wie du richtig bemerkt hast. Um wieviel höher die Ausländerquote in den Ballungszentren liegt, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

  5. Ausländerbehandlung « kokoa41 - a gaijin’s view Says:

    […] kokoa41 – a gaijin’s view « Ausländerquote […]

  6. Helmut Says:

    Danke, gern! ^^

    Hast du schon den neuesten Artikel von Tabibito auch gelesen?

  7. kokoa41 Says:

    Vielen Dank für den Hinweis – habe den Artikel soeben gelesen und in meinem Blog verlinkt!

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