Archive for Juni 2008

Ausländerquote

25. Juni 2008

Der Zufall wollte es, dass ich am heutigen Tag sowohl der Ausländerquote Japans als auch jener der Schweiz begegnet bin. Der Unterschied könnte grösser nicht sein:

Schweiz: 21% (1.6 Mio.)
Japan: ca. 1.8% (ca. 2 Mio.)

Vor diesem Hintergund überrascht es nicht, dass ich jeweils in Tokyo auf dem Weg zur Uni kaum andere Ausländer zu Gesicht bekam. Dies führte zum sonderbaren Umstand, dass ich jedes Mal beim seltenen Anblick eines anderen Westlers (von den anderen Austauschstudenten einmal abgesehen) dachte: „Was macht denn dieser Gaijin hier?“. Und zwar unweigerlich verbunden mit einem Gefühl der Überlegenheit, weil ich mich als Austauschstudent – zumal als einer, der bei einer japanischen Familie wohnte und Natto nicht verschmähte – selber nicht etwa als Fremdkörper, sondern als Teil der japanischen Gesellschaft betrachtete.

Auch wenn ich mir gleichzeitig bewusst war, dass ich für die mich umgebenden Japaner einen ebenso grossen Fremdkörper darstellen musste wie die westlichen Touristen für mich selber.

PS: All jenen, die sich für die heutige Nachwuchsproblematik in Japan und den Umstand, dass „Japan kein Einwanderungsland sein will“, näher interessieren, kann ich den entsprechenden Artikel von Urs Schoettli in der heutigen NZZ-Ausgabe vom 25. Juni 2008 wärmstens empfehlen.

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Alle Jahre wieder

10. Juni 2008

Sapporo Bier

Im vergangenen Oktober hatte ich nach meinem militärischen Wiederholungskurs an dieser Stelle im Rahmen meiner Japan-Schweiz-Analogie (2) auf die vielen Gemeinsamkeiten der japanischen Gesellschaft mit dem Schweizer Militäralltag hingewiesen und die folgende These aufgestellt:

Japan ist wie die Schweiz im Militär.

Zurzeit ist es für mich (bereits) wieder soweit: Ich leiste meinen diesjährigen WK im Rahmen des Armeeeinsatzes zu Gunsten der EURO 08 im Raum Bern. Die obige These kann ich erneut bestätigen: Lange Arbeitszeiten, wenig Schlaf, regelmässiger abendlicher Bierkonsum im Kameradenkreis, ausgeprägte Männerdominanz, uniforme Kleidung und hierarchische Organisation, um nur die wichtigsten der zahlreichen Parallelen zwischen der Schweizer Armee und der japanischer Gesellschaft nochmals in Erinnerung zu rufen. Und als Ergänzung für die Gemeinsamkeiten-Liste:

  • Sowohl in Japan als auch in der Schweizer Armee wird während Verschiebungen oft geschlafen, wie unbequem dies auch immer sein mag.

Aus persönlicher Perspektive bleibt zudem anzufügen, dass ich sowohl während meines Japan-Aufenthalts als auch jeweils während meiner militärischen Dienstleistungen stets deutlich mehr, besser und ausgewogener esse als im zivilen Studienalltag. Zumindest in dieser Hinsicht ist die Gemeinsamkeit zwischen der Schweizer Armee und Japan also sehr begrüssenswert – auch wenn natürlich währschafte Schweizer Küche und japanische Speisen zwei ganz verschiedene paar Schuhe sind. Beide mit ihren jeweiligen Vorzügen.

PS: Der auf dem Sapporo-Bier abgebildete Stern weist übrigens starke Ähnlichkeiten mit dem Schweizer Militär-Funktionsabzeichen für „Nachrichtendienst“ auf, welches seit diesem WK auf meiner Uniform prangt. (Japanisches) Bier und Militär scheinen sich also auch vor diesem Hintergrund bestens zu vertragen.