Ferien

Dass die Japaner viel arbeiten und wenig Ferien machen, ist gemeinhin bekannt. Seit heute Abend kann ich den Ausdruck „wenig Ferien“ nach der Lektüre des ZEIT-Artikels „Immer viel zu tun“ endlich auch quantifizieren:

Der Urlaub in Japan ist kurz, und üblicherweise wird er nicht ausgeschöpft. Der durchschnittliche Japaner lässt von seinen 18 Urlaubstagen 10 verfallen.

Exemplarisch ist über Keiichi Takaoka, einen 42-jährigen Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung von Yaskawa, der grössten Roboterfabrik der Welt, zu lesen:

Takaoka gefällt seine Arbeit. Doch oft ist es ihm einfach zu viel. „Ich bin normalerweise bis um zehn, elf Uhr abends im Büro“, sagt er mit einem müden Lächeln. Nicht selten gehe er abends auch noch mit den Kollegen etwas trinken – im traditionellen japanischen Bürokollektiv ist das Pflicht. Und manche Wochenenden verbringt Takaoka ebenfalls am Schreibtisch. „Viele hier“, sagt er nachdenklich, „arbeiten eigentlich zu viel.“ Wie sich das ändern liesse, darauf weiss der Softwarespezialist keine rechte Antwort.

Immerhin:

„Die jungen Japaner sind anders“, erzählt Takaoka beim Mittagessen. Für sie stehe der Beruf nicht so sehr im Mittelpunkt. „Die gehen auch lieber abends mit richtigen Freunden aus statt immer mit den Bürokollegen.“

Dass solche Absichten nicht bloss leere Worte bleiben, dafür hat die Gewerkschaft in Takaokas Unternehmen bereits gesorgt:

Eine Lautsprecherdurchsage hallt durch das Fabrikgebäude. Der Sprecher erinnert daran, dass Mittwoch sei und jeder das Haus bis um 17 Uhr zu verlassen habe. „Eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft“, erklärt Takaoka. Mittwochs sei früh Schluss. Wer länger arbeiten wolle, brauche eine Ausnahmegenehmigung. Seit drei Jahren gebe es das. Es tut sich etwas, selbst im arbeitswütigen Japan.

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