Sich verändernde Essgewohnheiten, abnehmende Selbstversorgung

„Japan pays a price for its changing tastes“ – so der Titel eines Artikels von Hiroko Tabuchi zum japanischen Nahrungsmittelkonsum, veröffentlicht im Wall Street Journal vom 9. April 2008. Als „changing tastes“ werden die Veränderungen der japanischen Essgewohnheiten – weg von der traditionellen Fisch- und Reis-Kost, hin zu Toast, Fleisch und Pizza – angeführt. Konsumierten die Japanerinnen und Japaner im Jahr 1960 noch rund 115 kg Reis pro Jahr und Person, waren es im Jahr 2005 nur noch gut 60 kg. Dafür stieg der Fleischkonsum im gleichen Zeitraum von 31 kg auf deren 137, wie aus der folgenden Grafik aus dem „Annual Report on Food, Agriculture and Rural Areas in Japan – FY2006“ eindrücklich hervorgeht.

Transition of per capita annual consumption of food by catogory in Japan

Der zu zahlende Preis für diese Entwicklung ist eine steigende Abhängigkeit Japans von Importen, und dies zumal in einer Zeit, in der die Lebensmittelpreise weltweit im Steigen begriffen sind. Die gesamten Getreideimporte beispielsweise beliefen sich im Jahr 2007 auf rund 7 Milliarden US-Dollar – 71% mehr als 5 Jahr zuvor.

Der resultierende abnehmende Selbstversorgungsgrad beunruhigt auch die japanische Regierung, wie die zahlreichen Bemühungen des Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei zur Stärkung des Selbstversorgungsgrades belegen. So wird unter anderem der einheimische Reisanbau und -konsum durch eine spezielle staatliche Agentur (Rice Stable Supply Support Organization) gefördert, wobei auch neue Reisprodukte – namentlich Reisbrot – Beachtung finden.

Und tatsächlich, die Beunruhigung kommt nicht von ungefähr: Nicht nur ist Japans Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln (gemessen in Kalorien) zwischen 1965 und 1998 und von 73% auf 40% gesunken. Auch international liegt Japan im Vergleich mit den übrigen Industrieländern am Ende der Rangliste, was den Selbstversorgungsgrad anbelangt.

Transition of Food Self-sufficiency Ratio in Japan

Transition of Food Self-sufficiency Ratio (on a Calorie Basis) in Various Countries

Dass indes die Förderung von Reisbrot den tiefen Selbstversorgungsgrad Japans in den nächsten Jahren entscheidend erhöhen wird, mag ich aus heutiger Sicht bezweifeln. Auch wenn der Vertreter der besagten Agentur, Takeshi Fujiwara, überzeugt ist: „We need to raise Japan’s self-sufficiency, and rice flour [Reismehl] could play a key role.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: