Archive for April 2008

The mountain is closed

30. April 2008

Closed Mountain Trail

Nach unserer Off-Season-Besteigung des Mount Fuji im Oktober 2006 reagierte eine japanische Sophia-Studentin etwas verdutzt, als wir ihr in der darauffolgenden Woche beim Mittagessen von unserem Ausflug auf den höchsten Berg Japans berichteten: But the mountain is closed…?

Zwar hatte sie durchaus Recht, dass die Route auf den Fujisan-Gipfel im Herbst offiziell geschlossen ist (vgl. Bild) – aber das stellte für uns nicht wirklich ein Hindernis dar. Denn man kann zwar vielleicht eine Route offiziell als geschlossen erklären, einen ganzen Berg schliessen jedoch nicht.

Dachte ich jedenfalls bis heute Abend. Ein Bericht in der heutigen Nachrichtensendung „10vor10“ des Schweizer Fernsehens sollte mich indes eines Besseren belehren: Die chinesische Regierung kann es.

Tatsächlich. Mount Everest is closed.

Hausschuhe für Gäste

29. April 2008

Jedes Mal, wenn ich Gäste zu Besuch habe – bei japanischen Gästen im Besonderen -, wird mir bewusst, was im typischen Schweizer Haushalt fehlt: ein Paar Hausschuhe für Gäste, wie sie in Japan in jedem Hauseingang bereitstehen.

Eigentlich ein kleiner Aufwand, den auch wir auf uns nehmen könnten, wenn man bedenkt, welche Unannehmlichkeiten ein paar Pantoffeln dem Gast (keine kalten Füsse) resp. dem Gastgeber (kein Schmutz durch Nichtausziehen der Schuhe) ersparen kann.

Manor tokyo.style

15. April 2008

Manor Tokyo Style

Das sind die kleinen Freuden eines ehemaligen Japan-Austauschstudenten: Wenn die Werbebroschüre für die „tokyo.style“-Wochen von Manor ins Haus flattert, und er auf der Titelseite auf der grossen rot-weissen Werbeinschrift entziffern kann: manoru toukyou.

Die tokyo.style-Herrenkollektion selber hat mich dann aber bei einer flüchtigen Durchsicht im Manor St. Gallen nicht wirklich zu überzeugen vermocht – was jedoch sehr gut auch an mir und weniger an der Kollektion liegen kann. Überzeugt haben mich dagegen die Riesen-Sushi zur Dekoration: allein sie sind ein Besuch wert.

Und die papiernen Hündchen natürlich auch.

Sich verändernde Essgewohnheiten, abnehmende Selbstversorgung

10. April 2008

„Japan pays a price for its changing tastes“ – so der Titel eines Artikels von Hiroko Tabuchi zum japanischen Nahrungsmittelkonsum, veröffentlicht im Wall Street Journal vom 9. April 2008. Als „changing tastes“ werden die Veränderungen der japanischen Essgewohnheiten – weg von der traditionellen Fisch- und Reis-Kost, hin zu Toast, Fleisch und Pizza – angeführt. Konsumierten die Japanerinnen und Japaner im Jahr 1960 noch rund 115 kg Reis pro Jahr und Person, waren es im Jahr 2005 nur noch gut 60 kg. Dafür stieg der Fleischkonsum im gleichen Zeitraum von 31 kg auf deren 137, wie aus der folgenden Grafik aus dem „Annual Report on Food, Agriculture and Rural Areas in Japan – FY2006“ eindrücklich hervorgeht.

Transition of per capita annual consumption of food by catogory in Japan

Der zu zahlende Preis für diese Entwicklung ist eine steigende Abhängigkeit Japans von Importen, und dies zumal in einer Zeit, in der die Lebensmittelpreise weltweit im Steigen begriffen sind. Die gesamten Getreideimporte beispielsweise beliefen sich im Jahr 2007 auf rund 7 Milliarden US-Dollar – 71% mehr als 5 Jahr zuvor.

Der resultierende abnehmende Selbstversorgungsgrad beunruhigt auch die japanische Regierung, wie die zahlreichen Bemühungen des Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei zur Stärkung des Selbstversorgungsgrades belegen. So wird unter anderem der einheimische Reisanbau und -konsum durch eine spezielle staatliche Agentur (Rice Stable Supply Support Organization) gefördert, wobei auch neue Reisprodukte – namentlich Reisbrot – Beachtung finden.

Und tatsächlich, die Beunruhigung kommt nicht von ungefähr: Nicht nur ist Japans Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln (gemessen in Kalorien) zwischen 1965 und 1998 und von 73% auf 40% gesunken. Auch international liegt Japan im Vergleich mit den übrigen Industrieländern am Ende der Rangliste, was den Selbstversorgungsgrad anbelangt.

Transition of Food Self-sufficiency Ratio in Japan

Transition of Food Self-sufficiency Ratio (on a Calorie Basis) in Various Countries

Dass indes die Förderung von Reisbrot den tiefen Selbstversorgungsgrad Japans in den nächsten Jahren entscheidend erhöhen wird, mag ich aus heutiger Sicht bezweifeln. Auch wenn der Vertreter der besagten Agentur, Takeshi Fujiwara, überzeugt ist: „We need to raise Japan’s self-sufficiency, and rice flour [Reismehl] could play a key role.“

Cha-Dango

3. April 2008

Cha-Dango

Zu meinem Geburtstag erhielt ich von Japan-Rückkehrer Manuel eine leckere Erinnerung an Japan in essbarer Form: Cha-Dango. Dango sind gemäss Wikipedia „aus mochiko (Reismehl) und Wasser hergestellte gedämpfte Kugeln, die zusammen mit verschiedenen Sorten von Belag häufig zu grünem Tee serviert werden“. Im Falle von Cha-Dango (das Kanji cha [茶] bedeutet Tee) enthalten auch die drei am Holstäbchen aufgespiessten Dango-Kugeln selber Grüntee.

Ich persönlich mag diese japanischen Süssspeisen, deren Füllung aus einer süssen Bohnenpaste hergestellt wird. Am Sonntagnachmittag hatte mir meine japanische Gastmutter in Heiwadai jeweils solche und ähnliche Dessertkugeln zusammen mit Grüntee zum Zvieri serviert. Mit dem europäischen Verständnis von Süssspeisen haben diese Kugeln indes nicht allzu viel gemein, und ihre Konsistenz („zäh-klebrig-gummig“) ist ebenfalls nicht jedermanns Sache, wie mir bei der Degustation der Dango durch meine Familie unschwer bewusst wurde.

Ganz ähnlich verhält es sich übrigens mit Yōkan – auch dann, wenn man ihn nicht wie mein Vater (aufgrund mangelnder Anweisungen meinerseits) als Konfitürenersatz aufs Brot streicht.