Arbeiten nach der Pensionierung

Verkehr-Regelung vor dem LIFE-Supermarkt in Heiwadai (Tokyo)

Schon lange hatte ich im Sinn, auf die vielen älteren Herren hinzuweisen, die in Japan vor Supermärkten oder bei Baustellen den Verkehr regeln – mitunter auch dann, wenn es sich um eine Quartierstrasse handelt, wo es eigentlich keiner Verkehrsregelung bedürfte.

Das Interview mit dem Japanologen David Chiavacci, das am 10. März in der Gratiszeitung .ch erschienen ist, bietet beste Gelegenheit dazu, dieses Vorhaben endlich in die Tat umzusetzen.

In Japan ist die Überalterung weiter fortgeschritten als in Europa. Wie gehen die Firmen mit älteren Mitarbeitern um?
David Chiavacci: In Japan arbeiten männliche Angestellte oft ein Leben lang bei der gleichen Firma. Mit 60 Jahren erfolgt in der Regel eine erste Pensionierung, jedoch arbeiten die Mitarbeiter oft mit einem neuen Vertrag noch mehrere Jahre in derselben Firma oder einem Tochterunternehmen.

In welcher Form arbeiten die Pensionäre?
Vor Supermärkten oder bei den Baustellen sieht man beispielsweise oft ältere Personen, die den Verkehr regeln. Dies sind meist „pensionierte“ Bau- und Fabrikarbeiter. Es geht dabei nicht erstrangig um Effizienz, sondern vielmehr um Beschäftigung.

Welche Vorteile bringen sie für die Firmen?
Sie sind billige Arbeitskräfte. Wenn Unternehmen nach der Pensionierung die Angestellten weiter beschäftigen, kommen diese wieder in eine tiefere Lohnklasse. In Japan gilt das Senioritätsprinzip. Das heisst, je älter desto mehr Lohn.

Warum arbeiten sie zu schlechteren Konditionen?
Für viele Japaner ist die Arbeit der zentrale Lebensinhalt. Vor allem Männer haben Mühe, in die Pension zu gehen. Zudem ist die staatliche Altersversorgung gering. Viele müssen arbeiten, um über die Runde zu kommen.

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Eine Antwort to “Arbeiten nach der Pensionierung”

  1. Ein Junger arbeitet und 5 Alte schauen zu… « Der gute Name Says:

    […] recht offensichtlichen Weg durch sie weisen, benötigt… Der ehemalige Japan-Austauschstudent Kokoa41 berichtet in seinem Blog über ein Interview der Gratiszeitung .ch mit dem Schweizer Japanologen […]

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