Japanische Frauen (4)

Japanische Studentinnen beim Süssigkeiten-Einkauf

Am 31. Dezember 2006 hatte ich ihn Aussicht gestellt, den vierten Beitrag in meiner Serie über die japanischen Frauen, der sich dem Thema „Was sie lieben“ annehmen sollte. Im Vergleich zu den ersten drei Artikeln [1, 2, 3] eine ungleich ehrgeizigere Thematik.

Dass es bis zur Realisierung meines Vorhabens über ein Jahr dauerte, war jedoch nicht auf das Thema selber zurückzuführen, denn die geplanten Inhalte hatte ich bereits an jenem Silvester 2006 im Kopf. Sodann will ich – getreu dem Motto „lieber spät als nie“ – heute den Versuch wagen und meine damaligen Gedanken, angereichert durch ergänzende Erfahrungen im 2007, endlich niederschreiben. Unumgängliche Verallgemeinerungen und subjektive (Fehl-)Einschätzungen möge man mir dabei nachsichtig verzeihen.

Heute: Was sie lieben

Auf die Frage, was japanische Frauen lieben, würde ich spontan entgegnen: „alles Süsse“ – wobei „süss“ dabei zugleich in seinem wörtlichen Sinne als auch in der übertragenen Bedeutung „niedlich“ (oder wie wir Schweizer zu sagen pflegen: „herzig“) zu verstehen ist.

Auf den Umstand, dass Japanerinnen Süsses – namentlich Schokolade und Ice Cream – heiss lieben, habe ich bereits in meinem letzten Frauen-Artikel hingewiesen. Nie vergessen werde ich die Weihnachtsparty der (vielen) Französisch-Studentinnen und (wenigen) -Studenten, der ich im Dezember 2006 – meinem Schulfranzösisch sei Dank – an der Sophia University beiwohnen durfte. Was die japanischen Studentinnen an Süssigkeiten zu dieser Weihnachtsfeier mitbrachten, war gewaltig – Kuchen an Kuchen reihte sich auf den Tischen des Seminarraums. Noch gewaltiger war aber (zumindest für mich), wie die Japanerinnen in der Folge keinerlei Hemmungen zeigten, die mitgebrachten Süssigkeiten auch genüsslichst zu verspeisen. Bis heute finde ich diese unverkrampfte Einstellung vieler Japanerinnen gegenüber Süssem eine äusserst sympathische Errungenschaft. Süsses essen ohne schlechtes Gewissen – wunderbar. Auch für die Männer, die den Frauen Süsses schenken können, ganz ohne schlechtes Gewissen zu erzeugen – so jedenfalls meine Vorstellung.

Auf den zweiten Aspekt von „süss“ bin ich in früheren Beiträgen ebenfalls bereits eingegangen. Ob Handy-Anhänger, Hello-Kitty-Blumengesteck, Puusan-Cash-Card oder Hundekleider – Hauptsache „kawaii“, was auf Deutsch am besten mit „niedlich“ resp. „herzig“ übersetzt wird. Wo immer man auf japanische Frauen trifft, lässt die kawaii-Welle in der Regel nicht lange auf sich warten. Sei es in der Form von mündlichen Äusserungen, digitalen Emoticons, Handy-Anhängern in allen möglichen Farben und Grössen oder in der Form von Puusan, Kittichan & Co. in den verschiedensten Varianten. Dass sich dabei das kawaii-Fieber nicht allein auf die junge Generation erstreckt, lässt sich beispielsweise damit belegen, dass meine über 60-jährige Gastmutter die Benutzeroberfläche ihres Handys auf das Puusan-Design eingestellt hatte. Es scheint also fast, als würde das kawaii-Empfinden einer jeden Japanerin in die Wiege gelegt, vielleicht entfernt vergleichbar mit dem bekannten „jöööö“-Effekt hierzulande. Eigentlich ganz herzig.

Neben diesen süssen Dingen in ess- und nicht-essbarer Form liebt eine Mehrheit der jungen Japanerinnen gemäss meinen subjektiven Erfahrungen unter anderem Folgendes: Shopping [ショッピング] (Hobby Nr. 1), Mode [ファッション], Kosmetika, Schönheit (auch mittels Diät, wenn es sein muss), Stiefel mit hohen Absätzen, braune Haare, J-Pop, Karaoke, mixi, Haustiere (vor allem kleine Hündchen), Handy-Anhänger – und natürlich Louis Vuitton.

Was die Vorlieben bezüglich Männer anbelangt, sind die Geschmäcker naturgemäss verschieden: Während bei vielen jungen Japanerinnen europäische Männer hoch im Kurs stehen (da sie einfühlsamer und liebevoller als Japaner sein sollen, wie gemunkelt wird), bevorzugen andere waschechte Japaner. Ähnlich sind dagegen normalerweise die Kriterien, nach denen ein Mann beurteilt wird: Ausbildung, Beruf, Einkommen und sozialer Status scheinen bei der Männerwahl tendenziell eine wichtigere Rolle zu spielen als in Europa. Daneben soll der Zukünftige – ganz wichtig – wenn immer möglich hübsch und trendy und in jedem Fall gepflegt sein.

Was man(n) durchaus verstehen kann.

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5 Antworten to “Japanische Frauen (4)”

  1. Japan-Schweiz-Analogie (5) « kokoa41 - a gaijin’s view Says:

    […] berichtet habe ich auch über die ausgeprägte Vorliebe vieler Japanerinnen für Süsses. Dass sie sich dabei in der Schweiz in guter Gesellschaft befinden würden, zeigt die Umfrage der […]

  2. mds Says:

    Passend dazu: http://www.youtube.com/watch?v=urvnihqsSIs – かわいい, ähmmm … 😉

  3. Victory-Zeichen « kokoa41 - a gaijin’s view Says:

    […] jüngste Kommentar von mds hat mir endlich frei zugängliches Bildmaterial für ein typisches japanisches Erkennungszeichen […]

  4. kokoa41 Says:

    Das Video ist neu hier zu finden: http://www.youtube.com/watch?v=BVmUfqr2Wao

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