Bürokratie

Nachdem ich vor einem knappen Jahr meine Bewerbungsunterlagen für die Austausch-Anmeldung an der Sophia University zusammengestellt hatte, war ich angesichts der Fülle an auszufüllenden Formularen überzeugt: Japan muss ein sehr bürokratisches Land sein. Oder im O-Ton aus meinem Erfahrungsbericht:

Die Vorbereitungen sind wahrscheinlich der mühsamste Teil des Austauschs an der Sophia University: japanische Bürokratie von ihrer besten Seite.

Diese Vorstellung vom japanischen Staatsapparat hielt sich bis zum heutigen Tage in meinen Kopf, auch wenn mich die japanische Bürokratie während meines Japan-Aufenthalts einmal sehr positiv überraschte, nämlich dann, als ich meine Gaijin Card (Ausländer-Ausweis) ein paar Tage zu spät bei der Einwohnerkontrolle abholte und mir dabei entgegen der Androhung auf dem Schreiben keine Busse für mein Zuspätabholen auferlegt wurde.

Heute, bei den Vorbereitungen für meine morgige Prüfung im Fach „Neue Politische Ökonomie“ (ja, auch das gibts), hat sich dieses Bild zwar nicht gewandelt, es wurde aber doch um eine für mich überraschende Facette ergänzt:

Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, sind resp. waren zumindest bis Ende 80er Jahre in Japan im internationalen Vergleich verhältnismässig sehr wenig Erwerbstätige im öffentlichen Sektor angestellt. An zweiter Stelle folgt die Schweiz, was mir (ganz unverhofft) wieder einmal die Möglichkeit eröffnet, auf die vielen Parallelen zwischen der Schweiz und Japan zu verweisen.

Anteil der im öffentlichen Sektor beschäftigten Erwerbstätigen

An meiner (Kunden-)Sichtweise von Japan als bürokratischem Land ändert sich damit indes nichts. Aber auch in dieser Hinsicht sind wir uns ja aus der Schweiz ganz ähnliches gewohnt.

Gerne verweise ich an dieser Stelle abschliessend auf den zweiten Teils eines (soeben zufällig per Google aufgestöberten) Artikels eines österreichischen Zeitgenossen, der nicht nur eine detaillierte Beschreibung der japanischen Beamten liefert, sondern auch die unterschiedlichen Reaktionen eines Österreichers und eines Deutschen in derselben Situation auf herrliche Weise nachzeichnet. Lektüre wärmstens empfohlen!

[Quelle der Tabelle: Frey, B. S. & Kirchgässner, G. (2002). Demokratische Wirtschaftspolitik. 3. Auflage. München: Vahlen. S. 169]

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