Archive for August 2007

Mit Kaizen zum Wirtschaftscrack

21. August 2007

Das Verdienst für zwei Jahre „Einführung in Wirtschaft und Recht“ am Gymnasium, zwei Jahre Schwerpunktfach „Wirtschaft und Recht“ an derselben Schule und mittlerweile drei Jahre Studium an der Universität St. Gallen, verbunden mit einem einjährigen Zwischenjahr in der Schweizer Armee, einem 10-wöchigen Praktikum in der Bankenwelt und einem Austauschsemester an der Sophia University in Tokyo:

Bravo, Sie sind ein richtiger Wirtschaftscrack! Sie kennen sich in der Wirtschaftswelt bestens aus.

Ausgestellt hat mir dieses Zeugnis soeben das Online-Wirtschaftsquiz von ECO, dem neuen Wirtschaftsmagazin des Schweizer Fernsehens. In der gestrigen ersten Sendung wurde dort unter dem Titel „Japaner lehren Swiss sparen: Jede Sekunde zählt“ darüber berichtet, wie die Schweizer Fluggesellschaft in Lufthansa-Besitz die japanische Kaizen-Methode zu Kosten- und vor allem Zeiteinsparungen im Bordservice einsetzt.

ECO beschreibt Kaizen wie folgt:

Kaizen basiert auf Strategien von japanischen Managern. Die Methode fördert die ständige Verbesserung und soll im Idealfall das ganze Unternehmen durchdringen, vom Topmanager bis hin zum Arbeiter.Die Bedeutung des Begriffs erklärt auch den Grundgedanken: KAI steht für «Veränderung», ZEN «zum Guten». In Europa wird Kaizen teilweise auch als Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KPV) bezeichnet.

Zentrales Element bei der Anwendung von Kaizen sind die betroffenen Mitarbeiter. Sie analysieren in Begleitung eines Moderators ihre Arbeitsprozesse und ermitteln Schwachstellen. Die dazu erarbeiteten Verbesserungsvorschläge werden anschliessend umgesetzt und wiederum analysiert.

Ständige Verbesserung in kleinen Schritten – fast wie im Studium. Meine Lektion aus dem ECO-Quiz für heute: Dass es einen neuen Schweizer Aktienindex namens SLI gibt. Diese Abkürzung hatte ich bis zum heutigen Tage noch nie gehört.

Immerhin kann ich zu meiner Verteidung vorbringen: Er wurde auch erst am 2. Juli dieses Jahres eingeführt. Ob zum Besseren, wird sich erst noch weisen müssen.

Blutgruppe

17. August 2007

Blutgruppenangabe in mixi

Kennen Sie Ihre Blutgruppe?

Wahrscheinlich. Oder zumindest vielleicht.

Ich selber kenne meine nicht.

Wäre ich Japaner, wäre eine solche Unkenntnis der eigenen Blutgruppe undenkbar. Denn die Blutgruppe besitzt in Japan einen ungleich höheren Stellenwert als in Europa – was beispielsweise darin zum Ausdruck kommt, dass nicht nur in der Kontaktverwaltung des Mobiltelefons ein Feld für die Eingabe der Blutgruppe vorgesehen ist, sondern dass auch in der japanischen Community-Plattform mixi nicht selten auf den Benutzer-Profilen die eigene Blutgruppe veröffentlicht wird (vgl. obiges Bild, das zudem die Nützlichkeit des Übersetzungs-Plugins rikaichan für den Firefox-Browser eindrücklich aufzeigt).

Der Grund für diesen hohen Stellenwert der Blutgruppe in Japan?

Wikipedia weiss Rat:

Die Deutung der Blutgruppe ist in Japan ein verbreitete Theorie, laut der die Blutgruppe (jap. 血液型 ketsueki-gata) Rückschlüsse über Persönlichkeit, Charakter und Verträglichkeit einer Person mit anderen zuließe. Die meisten Wissenschaftler lehnen dies als Aberglaube oder Pseudowissenschaft ab, jedoch hat das Phänomen dort im Alltag einen vergleichbaren Stellenwert wie etwa die Astrologie im Westen.

So verwundert es nicht, dass in Zeitschriften auf der Grundlage der Blutgruppentypen Partner-Kompatibilitäts-Test publiziert werden oder separate Horoskope für die verschiedenen Blutgruppentypen erscheinen. Dass die Frage nach der Blutgruppe in Japan als ebenso normal angesehen wird wie in Europa diejenige nach dem Sternzeichen, machen auch die folgenden im Internet aufgestöberten Zeilen einer japanischen Studentin deutlich:

Guten tag!!Mein namen ist Airi yoshioka.Ich habe am zwoelften August Geburtstag.Meine Blutgruppe ist B.Ich esse gern Japanisch.Ich kann Sake trinkenaber liber Milch.Ich bin stark in das Kochen.Mein Hobby ist lesen.Ich lese gern ComicsKrimis und Romane.Ich gehe gern in der Oper und ins Theater.Ich kann Gesang und KlavierFloete und Klarinette spieren.Ich komme aus Oita saiki.Ich wohne in Oita Dannobalu.

(Weiterlesen wärmstens empfohlen. Das Highlight aus Schlafforscher-Sicht: „Ich bin bis spaet in die Nacht auf zu bleiben.So ich habe Schlaefrigkeit immer.Ich will viel schlafen.“)

Der häufigen Tatsache, dass Nicht-Japaner wie ich die eigene Blutgruppe nicht kennen, bringen Japaner oft Erstaunen oder gar Unverständnis entgegen. Was dazu führt, dass Michael Otto in seine Zusammenstellung „Zu lange in Japan…“ den folgenden Punkt aufgenommen hat:

Du weisst, dass du zu lange in Japan bist, wenn du alle deine ausländischen Freunde nach ihrer Blutgruppe fragst.

Keine Angst: Ich werde nicht fragen. Wer jedoch seine Blutgruppe kennt und gerne wissen möchte, welche Charaktereigenschaften ihm deshalb aus japanischer Sicht zugeschrieben werden, der wird beispielsweise bei Wikipedia oder pretty-cure.de fündig.

PS: Und wer sich für die bereits einmal erwähnten blutgruppenabhängigen Kondome interessiert, hier.

Feuerwerk

8. August 2007

Was den Schweizern das 1.-August-Feuerwerk, ist den Japaner Hanabi (花火, wörtlich „Feuerblume“):

Hanabi – die japanische Form dessen, war wir Feuerwerk nennen, ist mehr nur ein Kinderspiel oder ein paar Sylvesterknaller. Hanabi ist professionelles Handwerk, das Ästhetik schafft. Den japanischen Profis ist ein komplizierter Aufbau der Feuerwerkskörper gelungen, der es ermöglicht, mit einem Abschuss eine Blüte, die sechs Farben trägt, an den Himmel zu zaubern.

Hanabi ist das Sommerereignis in Japan und verbindet Alt und Jung. Man trifft sich, bringt Essen und Trinken mit und veranstatet eine Art nächtliches Picknick. Für Frauen ist Hanabi eine der seltenen Gelegenheiten die traditionellen Sommerkimonos – Yukata genannt – zu tragen.

Oder wer anstelle dieser schriftlichen Ausführungen von Ruth Schneider eine eindrückliche Foto bevorzugt: voilà!

Dagegen erscheint das Abrennen eines Vulkans in der Mitte des Hallwilersees am 1. August geradezu bescheiden. Aber nicht minder stimmungsvoll.