No pain, no gain

Auch wenn ich in zehn Tagen für fast zwei Wochen in die Ferien fahren werde: Den folgenden Auszügen aus dem heutigen heute-Interview mit Oswald Oelz, dem früheren Chefarzt am Zürcher Triemli-Spital, der zwischen 1976 und 1990 als dritter Mensch die höchsten Berge der sieben Kontinente bestiegen hat, kann ich weitestgehend beipflichten. Im Bewusstsein, dass es ein grosses Privileg ist, wenn man sich das, was man gerne tut, zum Beruf machen kann.

heute: Eines Ihrer Vortragsthemen ist „How not to burn out“…
Oswald Oelz: Burn-out ist nicht die Folge von brennen, sondern von motten. Es entsteht, wenn die Menschen Dinge ohne Begeisterung und Freude tun. Darum halte ich die Idee einer Work-Life-Balance für absurd.

Warum?
Sie impliziert, dass Arbeit nicht Leben ist. Dabei gibt es nichts Trennendes. Als ich noch Chef am Triemli war, habe ich mit Vorfreude auf die Glarner Alpen geblickt. War ich im Himalaya unterwegs, freute ich mich auf die Arbeit im Spital. Meine Passionen haben sich gegenseitig aufgeladen.

Ihr Erfolgsrezept ist somit: Mit Lust und Liebe arbeiten?
Ja, und nicht zu viel nachdenken, sondern ausprobieren. Ich gehe naiv an neue Dinge heran. Sie beginnen dann wie beim beim Zauberlehrling eine Eigendynamik zu entwickeln. Ich hätte nie gedacht, das ich mal Chefarzt am Triemli-Spital werde.

Sich selbst also keine Grenzen setzen. Was können wir von Bergsteigern lernen?
Genau. Man sollte vor einem Berg stehen und denken: „Ich kann das.“ Das Leben ist wie Bergsteigen. Jeden Tag steigt an ein Stückchen auf und jedesmal öffnet sich ein neues
Tor der Erkenntnis. Hätten Meinhold Messner und Peter Habeler auf Experten gehört,
hätten sie den Mount Everest nie ohne Sauerstoffflasche erklommen.

Aber nicht alle haben so viel Selbstvertrauen…
Das ist schade, denn meine Lebenserfahrung lehrt mich, dass es gut kommt. Und wenn nicht, ist es nicht schlimm. Die Schweizer leben oft nach dem Motto „Don’t be happy, just worry“; ein mitteleuropäisches Phänomen und Folge unserer Übersättigung.

Was meinen Sie damit?
Heute sind die Menschen bequem und vergeuden ihre Lebensenergie vor dem TV. Die Jungen bekommen von ihren Eltern alles: Handy, Markenkleider und Töffli.

Ihr Leitmotto ist: „No pain, no gain.“ Muss Gutes weh tun?
Wertvoll sind nur die Dinge, für die man sich anstrengt. Es ist zwar schön, mit dem Bähnli den Berg raufzufahren. Aber niemand kann Ihnen die Erfahrung ersetzen, den Berg aus eigener Kraft erklommen zu haben. Als einer der ersten stand ich auf den „seven summits“. Ich, ein einfacher und mittelmässig begabter Mensch. Diesen Effekt erreichen Sie auch mit Joggen oder mit Yoga.

Bei einer Expedition im Jahr 1997 froren Ihnen vier Zehen ab, als Sie höhenkrank wurden und sich verirrten. Ein hoher Preis?
Ich akzeptiere die Dinge, so wie sie sind. Damals war ich nur überglücklich, dass ich überlebt hatte. Wenn dies der Preis dafür war, dann ist das o.k.

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Eine Antwort to “No pain, no gain”

  1. Nachtrag: No pain, no gain « kokoa41 - a gaijin’s view Says:

    […] kokoa41 – a gaijin’s view « No pain, no gain […]

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