Archive for Juni 2007

No pain, no gain

29. Juni 2007

Auch wenn ich in zehn Tagen für fast zwei Wochen in die Ferien fahren werde: Den folgenden Auszügen aus dem heutigen heute-Interview mit Oswald Oelz, dem früheren Chefarzt am Zürcher Triemli-Spital, der zwischen 1976 und 1990 als dritter Mensch die höchsten Berge der sieben Kontinente bestiegen hat, kann ich weitestgehend beipflichten. Im Bewusstsein, dass es ein grosses Privileg ist, wenn man sich das, was man gerne tut, zum Beruf machen kann.

heute: Eines Ihrer Vortragsthemen ist „How not to burn out“…
Oswald Oelz: Burn-out ist nicht die Folge von brennen, sondern von motten. Es entsteht, wenn die Menschen Dinge ohne Begeisterung und Freude tun. Darum halte ich die Idee einer Work-Life-Balance für absurd.

Warum?
Sie impliziert, dass Arbeit nicht Leben ist. Dabei gibt es nichts Trennendes. Als ich noch Chef am Triemli war, habe ich mit Vorfreude auf die Glarner Alpen geblickt. War ich im Himalaya unterwegs, freute ich mich auf die Arbeit im Spital. Meine Passionen haben sich gegenseitig aufgeladen.

Ihr Erfolgsrezept ist somit: Mit Lust und Liebe arbeiten?
Ja, und nicht zu viel nachdenken, sondern ausprobieren. Ich gehe naiv an neue Dinge heran. Sie beginnen dann wie beim beim Zauberlehrling eine Eigendynamik zu entwickeln. Ich hätte nie gedacht, das ich mal Chefarzt am Triemli-Spital werde.

Sich selbst also keine Grenzen setzen. Was können wir von Bergsteigern lernen?
Genau. Man sollte vor einem Berg stehen und denken: „Ich kann das.“ Das Leben ist wie Bergsteigen. Jeden Tag steigt an ein Stückchen auf und jedesmal öffnet sich ein neues
Tor der Erkenntnis. Hätten Meinhold Messner und Peter Habeler auf Experten gehört,
hätten sie den Mount Everest nie ohne Sauerstoffflasche erklommen.

Aber nicht alle haben so viel Selbstvertrauen…
Das ist schade, denn meine Lebenserfahrung lehrt mich, dass es gut kommt. Und wenn nicht, ist es nicht schlimm. Die Schweizer leben oft nach dem Motto „Don’t be happy, just worry“; ein mitteleuropäisches Phänomen und Folge unserer Übersättigung.

Was meinen Sie damit?
Heute sind die Menschen bequem und vergeuden ihre Lebensenergie vor dem TV. Die Jungen bekommen von ihren Eltern alles: Handy, Markenkleider und Töffli.

Ihr Leitmotto ist: „No pain, no gain.“ Muss Gutes weh tun?
Wertvoll sind nur die Dinge, für die man sich anstrengt. Es ist zwar schön, mit dem Bähnli den Berg raufzufahren. Aber niemand kann Ihnen die Erfahrung ersetzen, den Berg aus eigener Kraft erklommen zu haben. Als einer der ersten stand ich auf den „seven summits“. Ich, ein einfacher und mittelmässig begabter Mensch. Diesen Effekt erreichen Sie auch mit Joggen oder mit Yoga.

Bei einer Expedition im Jahr 1997 froren Ihnen vier Zehen ab, als Sie höhenkrank wurden und sich verirrten. Ein hoher Preis?
Ich akzeptiere die Dinge, so wie sie sind. Damals war ich nur überglücklich, dass ich überlebt hatte. Wenn dies der Preis dafür war, dann ist das o.k.

Hiroshima by night (7)

23. Juni 2007

 Friedensflamme

[Friedensflamme]

Hiroshima by night (6)

22. Juni 2007

 Kenotaph

[Kenotaph und Friedensmuseum]

Hiroshima by night (5)

22. Juni 2007

 Kenotaph

[Kenotaph]

Hiroshima by night (4)

21. Juni 2007

 Kenotaph

[Kenotaph]

Hiroshima by night (3)

20. Juni 2007

 Friedensturm

[Friedensturm]

Hiroshima by night (2)

18. Juni 2007

 Atombomben-Dom

[Atombomben-Dom]

Hiroshima by night (1)

18. Juni 2007

 Atombomben-Dom

[Atombomben-Dom]

Lob des kurzen Schlafs

13. Juni 2007

Die NZZ am Sonntag hat ganz offensichtlich grossen Gefallen gefunden an der japanischen Schlafkultur: Nachdem am 20. Mai im Kanon der Populärkultur bereits eine Ode an die japanische “Ich schlafe auch gern am Tag”-Gewohnheit abgedruckt worden war (ich habe darüber berichtet), stimmte eine Woche später Literaturkritikerin Gunhild Kübler mit ihrem Artikel unter dem Titel “Lob des kurzen Schlafs: Wie eine japanische Kulturtechnik unser Leben verlängert und verbessert” mit voller Inbrust in die Lobeshymne ein:

„Inemuri heisst das Zauberwort. Zusammengesetzt ist es aus den japanischen Schriftzeichen i(ru) „anwesend sein“ und nemuri „schlafen“ und wird im Deutschen am besten mit „Anwesenheitsschlaf“ übersetzt. [. . .]
Inemuri ist etwas fundamental anderes als der Nachtschlaf im Bett oder die Siesta. Inemuri heisst schlafen, während man etwas anderes tut. Daher kann man Inemuri überall machen, wo man eine Weile sitzen bleiben muss, es braucht dazu nicht einmal Stille: im Zug, im Theater, im Konzert, beim Abendessen in einem Lokal, bei Vorträgen und Versammlungen. Ja sogar am Arbeitsplatz. Inemuri gilt als Folge vorausgehender Anstrengung und wird daher toleriert. Und solange jemand dabei Haltung bewahrt, kann er zudem immer behaupten, sich mit geschlossenen Augen gerade besonders tief in das, was um ihn herum vorgeht, versenkt zu haben. Dabei ist es ein alter Inemuri-Trick, nach dem Aufwachen erst dann die Augen zu öffnen, wenn man – etwa in einer Sitzung – ein Stück vom inzwischen gesponnenen Gesprächsfaden der anderen erwischt hat.“

Toll. Da kommt mir unweigerlich meine Offiziersausbildung in den Sinn, wo wir Aspiranten an Tagen nach Nachtübungen jeweils im Theorieraum arg zu kämpfen hatten. Bei uns hiess es in solchen Fällen aber nicht „Schlafen Sie gut“, sondern „Aufstehen“. Und irgendwie fand und finde ich das – nur schon der Höflichkeit halber – auch richtig: Oder hätte es Frau Kübler etwa gerne gesehen, wenn der eine oder andere Mitwirkende in der Sendung „Literaturclub“ des Schweizer Fernsehens, wo sie zwischen 1990 und 2006 auftrat, während der Sendung jeweils „am Arbeitsplatz“ ein kleines Inemuri-Nickerchen gemacht hätte?

Aber wer weiss, vielleicht tue ich den NZZaS-Journalisten und somit auch den Japanern mit meiner Skepsis ja tatsächlich unrecht. Deshalb möchte ich allen Tagträumern unter der Lesern den folgenden Ausschnitt aus dem zweiten Teil des Artikels ebenfalls nicht vorenthalten:

Inemuri hat in Japan Tradition und wir früh gelernt. Schon die Kinder lernen schlafen, wenn rundherum Betrieb ist. Aber richtig populär wurde dieser Ultra-Kurzschlaf erst mit dem hektischen Arbeitsrhythmus der japanischen Boomjahre. Inzwischen wir er von den Ermüdungsforschern empfohlen, die den Rhythmus des menschlichen Körpers für den heutigen Produktionsprozess kompatibel machen wollen. Sie propagieren weniger Nachtschlaf und mehr Inemuri. Viereinhalb bis sechs Stunden im Bett seien genug, alles andere Zeitverschwendung. Kurze Schlafphasen tagsüber garantierten nicht nur Erfrischung, ja sogar echte Geistesblitze, sie reduzierten auch das Risiko von Alzheimer und verlängerten das Leben.
Mit Inemuri kann man sich in nur zwei Minuten fit machen für zwei Stunden. So werden aus einem Tag mehrere und aus einem Leben möglicherweise viel. Gründe genug, diesen japanischen Brauch sofort zu kopieren.“

Toll. Quasi eine Lizenz zum Schlafen, wo auch immer Sie wollen: „Im Zug, im Theater, im Konzert, beim Abendessen in einem Lokal, bei Vorträgen und Versammlungen. Ja sogar am Arbeitsplatz.“ Allfällige Beschwerden von Seiten des Chefs, Vereinspräsidenten oder Ihrer Begleitung zum Abendessen bitte direkt an die NZZ am Sonntag oder an die Wiener Japanologin Brigitte Steger, die als Verfasserin des Buchs „Inemuri. Wie die Japaner schlafen und was wir von ihnen lernen können“ zeichnet, richten.

Meine Antwort wäre klar: „Aufstehen.“ Oder dann ab ins Bett. Ganz nach der Devise: Entweder schlafen oder arbeiten, viel oder wenig – aber sicher nicht „schlafen, während man etwas anderes tut“.

PS: Für alle, die mitgefiebert haben: Mein Bachelor-Arbeits-Werk ist vollbracht und seit Montag eingereicht, nachdem ich in der letzten Nacht von Sonntag auf Montag zum Endspurt angesetzt hatte und mich anschliessend im Verlaufe des Tages über die Ziellinie rettete. Ohne Schlaf (den ich normalerweise sehr schätze). Ohne Power-Napping (das ich im Militär zu schätzen gelernt habe). Und auch ganz ohne Inemuri (das ich hoffentlich nie werde schätzen lernen müssen). Wie erfolgreich, wird sich im September zeigen.

Onsen

5. Juni 2007

Onsen in Noboribetsu

In der neuesten Ausgabe des „Magazins“ findet sich ein zugleich unterhaltsamer und ausführlicher Artikel von Max Küng über seinen Besuch im japanischen Onsen-Paradies Kusatsu.

Wer keine Zeit oder Lust hat, sich den ganzen Artikel durchzulesen, dem möge der folgende eine Satz eine erste wage Vorstellung vom wohltuenden Bad in der heissen Quelle vermitteln:

Es gab für einen Moment nichts mehr auf der Welt als dieses Bad und das leise Plätschern und die Empfindung, gekocht zu werden, ein leichter Schmerz, der schwindet und dem Gefühl der Erlösung Platz macht.

PS: Küngs Gejammere wegen der anscheinend unterträglichen Hitze ist natürlich übertrieben, und 40 Grad sind tatsächlich nicht allzu hotto. Erst ab 42 Grad wird es meines Erachtens langsam unangenehm. 41 Grad sind perfekt.