Suizidrate

Heute war in der Presse zu lesen (in kürzester Form in der Schweizer Gratiszeitung heute, in ausführlicher Form beispielsweise hier), dass die japanische Regierung die Zahl der jährlich über 30’000 Suizide in den kommenden zehn Jahren um 20 Prozent senken will. Dadurch könnten jährlich rund 5’000 Menschenleben gerettet werden.

Im Jahr 2005 hatte Japan nach statistischen Berechnungen pro 100’000 Einwohner 24.2 Suizidfälle verzeichnet. Damit zählt Japan im internationalen Vergleich zu den 10 Ländern mit den höchsten Suizidraten. Zum Vergleich: Die Schweizer Suizidrate lag gemäss WHO im Jahr 2002 bei 19.8. Sollte Japan das angestrebte Ziel erreichen, würde die Rate mit 19.4 Personen pro 100’000 Einwohner ziemlich genau in der Schweizer Grössenordnung zu liegen kommen.

Als Massnahme zur Senkung der Suizide, deren Zahl nunmehr bereits seit acht Jahren über der Marke von 30’000 liegt, strebt das zuständige Regierungsgremium ein Unterstützungs- und Beratungssystem für Menschen an, die unter hohen Schuldenbergen leiden oder ihren Arbeitsplatz verloren haben. Zudem soll Menschen mit Depressionen frühzeitig geholfen werden.

Die jüngsten Daten der japanischen Polizeibehörde für das Jahr 2005 zeigen, dass die Mehrheit der Suizide – wie in der Schweiz – von Menschen im Alter von über 50 Jahren begangen wurde. Während diese Zahl jedoch im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig war, kam es vermehrt zu Suiziden unter jüngeren Menschen. Am stärksten nahm dabei die Zahl der Selbstmorde unter Studenten und Schülern zu, und zwar insgesamt um 9.8 Prozent auf 861.

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5 Antworten to “Suizidrate”

  1. Helmut Says:

    Ist ja interessant – ein (Deutscher) Professor von mir hier in Japan hat kürzlich erst gemeint, in Wahrheit wäre die Suizidrate Japans niedriger als die von Deutschland.. Japans hohe Suizidrate sei nur sowas wie ein „Vorurteil“, irgendwie..

  2. kokoa41 Says:

    Nein, die hohe Suizidrate von Japan ist kein „Vorurteil“ – auch wenn sie im Vergleich zur Schweiz nicht extrem viel höher liegt. Du kannst deinen Professor das nächste Mal also gerne eines Besseren belehren (am besten mit einem Auszug der WHO-Länderberichte).

    Deutschland dagegen hat eine erstaunlich tiefe Rate, wie ich soeben für dich herausgefunden habe: Im Jahre 2004 lag sie bei 13.0 – im Vergleich zu den angeführten 24.2 in Japan und 19.8 in der Schweiz ein sehr tiefer Wert.

  3. mds Says:

    Kann man Suizidraten überhaupt zuverlässig erfassen und das auch gleich noch für unzählige Länder mit sehr unterschiedlichen Erfassungsmethoden?

  4. kokoa41 Says:

    Die WHO beantwortet deine Frage wie folgt:

    Whenever figures on suicide are presented or discussed, there is always
    someone to question their reliability, insisting that in many places – and due to several reasons – suicide is hidden and that the real figures must be much higher. This point is acknowledged, which only reinforces the gravity of what is presented here. Another question frequently raised refers to the comparability of data across countries. The information on which the graphs are based reflects the official figures made available to WHO by its Member States or by their national officers responsible for suicide prevention; in turn, these are based upon real death certificates signed by legally authorized personnel, usually doctors and to a lesser extent police officers.

  5. Helmut Says:

    Danke, dann werd ich`s ihm beizubringen versuchen! 😉

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