Archive for April 2007

Suizidrate

27. April 2007

Heute war in der Presse zu lesen (in kürzester Form in der Schweizer Gratiszeitung heute, in ausführlicher Form beispielsweise hier), dass die japanische Regierung die Zahl der jährlich über 30’000 Suizide in den kommenden zehn Jahren um 20 Prozent senken will. Dadurch könnten jährlich rund 5’000 Menschenleben gerettet werden.

Im Jahr 2005 hatte Japan nach statistischen Berechnungen pro 100’000 Einwohner 24.2 Suizidfälle verzeichnet. Damit zählt Japan im internationalen Vergleich zu den 10 Ländern mit den höchsten Suizidraten. Zum Vergleich: Die Schweizer Suizidrate lag gemäss WHO im Jahr 2002 bei 19.8. Sollte Japan das angestrebte Ziel erreichen, würde die Rate mit 19.4 Personen pro 100’000 Einwohner ziemlich genau in der Schweizer Grössenordnung zu liegen kommen.

Als Massnahme zur Senkung der Suizide, deren Zahl nunmehr bereits seit acht Jahren über der Marke von 30’000 liegt, strebt das zuständige Regierungsgremium ein Unterstützungs- und Beratungssystem für Menschen an, die unter hohen Schuldenbergen leiden oder ihren Arbeitsplatz verloren haben. Zudem soll Menschen mit Depressionen frühzeitig geholfen werden.

Die jüngsten Daten der japanischen Polizeibehörde für das Jahr 2005 zeigen, dass die Mehrheit der Suizide – wie in der Schweiz – von Menschen im Alter von über 50 Jahren begangen wurde. Während diese Zahl jedoch im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig war, kam es vermehrt zu Suiziden unter jüngeren Menschen. Am stärksten nahm dabei die Zahl der Selbstmorde unter Studenten und Schülern zu, und zwar insgesamt um 9.8 Prozent auf 861.

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Japanische Smileys

18. April 2007

Man kann es drehen und wenden, wie man will – in einem sind uns die Japaner deutlich voraus: Sie benützen Smileys, die so gelesen werden können, wie sie geschrieben werden – ohne dass sie zuvor wie die in unserem Sprachraum gebräuchlichen Exemplare vom Betrachter zuerst im Kopf gedreht werden zu müssen.

Das sieht dann beispielsweise so aus:

(^-^)ノ~

~(*^ー^)ノ

(=^▽^=)

* ̄O ̄)ノ

(;д;)/ヾ

(=^▽^=)

Σ(´□`;)

Ich gebe offen zu: Ich kenne nur ein paar wenige japanische Smileys wirklich, vom Schreiben ganz zu schweigen. Bei allen anderen konnte ich jeweils auf mein japanisches Mobiltelefon zurückgreifen, welches nicht nur mit einem grossen Katalog an Smileys ausgestattet war, sondern die Smileys zusätzlich direkt den verschiedenen (englisch benannten) Gemütszuständen zuordnete. とても便利だよ。

Vor einigen Tagen bin ich nunmehr in den Weiten des Netzes zufällig auf die folgende Seite gestossen: What Japanese Smiley Are You?

Und siehe da: Obschon ich nicht alle Fragen und Antwortmöglichkeiten hundertprozentig verstanden hatte, hätte das Resultat nicht zutreffender ausfallen können.


You Are a „Wink“

All jene, die bereits einmal eine informelle E-Mail von mir – übersät mit dem klassischen westlichen Blinzel-Smiley – erhalten haben, können es bezeugen.

Legendenbildung am Fuji-san

16. April 2007

Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Mt. Fuji

Es war für Huchi-san und Furettsu mit Sicherheit ein unvergessliches Wochenende gewesen, als sich die beiden Schweizer im Oktober 2006 mit ihrer Doppelbesteigung des Fuji-san innert Tagesfrist auf einen Schlag zu Narren machten:

“He who climbs Mount Fuji once is a wise man, he who climbs it twice is a fool.”

Sie verdienten sich mit diesem Wochenendausflug auf den höchsten Berg Japans nicht nur ein warmes koreanisches Eintopf-Frühstück bei den beiden Vertretern der Japanese Self Defense Forces, die auf dem Gipfel übernachtet hatten, sondern ernteten zudem vom Finance-Professor an der Sophia University eine Mischung aus grossem Respekt und ebenso grosser Entgeisterung.

Wie ich heute mit einem Schmunzeln einer E-Mail meines ehemaligen Japanisch-Klassenkameraden Johannes entnehmen durfte, hat sich diese Erinnerung an die beiden verrückten Schweizer ganz offensichtlich fest ins Gedächtnis des Professors eingebrannt:

er erzählt immer noch die geschichte von den zwei schweizern, die
an einem tag den fujisan zwei mal bestiegen haben… 🙂 und die
soldaten oben haben nur ungläubig geschaut… fühl dich geehrt 🙂

Bevor diese Legendenbildung weitere Auswüchse annimmt, möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen: Die Besteigung des Fuji-san ist keine Hexerei – bereits der Begriff „Besteigung“ ist eigentlich übertrieben, handelt es sich doch eher um eine „Bergwanderung“. Wenn kein Schnee liegt, sind abgesehen von gutem Schuhwerk weder Seile noch Steigeisen noch andere Hilfsmittel vonnöten.

Aber natürlich eine Taschenlampe: Für den nächtlichen Auf- oder Abstieg. Oder im Ausnahmefall gleich für beides.

Schokolade

14. April 2007

Toblerone in der Cafeteria der Sophia University, Tokyo

Als ich im vergangenen September nach Japan reiste, wollte ich bei meinen Gasteltern verständlicherweise nicht mit leeren Händen aufkreuzen. Als Mitbringsel aus der Schweiz kaufte ich deshalb im Merkur eine grosse Schachtel gefüllt mit Schokoladentäfelchen, die von einer Relief-Karte der Schweiz bedeckt waren.

Dieses – zugegeben nicht allzu originelle – Geschenk sollte sich in der Folge bestens bewähren: Wenn immer ich meinen Gasteltern etwas über die Schweiz und deren Regionen berichtete, konnte ich auf die Karte zurückgreifen, während die Schokoladentäfelchen ihrerseits stets weniger und weniger wurden. Auf der Verpackung selber fand ich zudem alle relevanten Angaben zur Schweiz wie Grösse, Einwohnerzahl und die Bevölkerunganteile der vier Landessprachen. Und das Beste daran: Das Kurzporträt der Schweiz war sogar auf Japanisch auf der Schachtel abgedruckt.

Ein anderes Mitbringsel dagegen hätte ich mir sparen können: Toblerone. Diese weltweit wohl bekannteste Vertreterin der Schweizer Schokolade gab es nämlich sogar in der Cafeteria der Sophia University zu kaufen – sowohl in ihrer normalen braunen als auch in der weissen Variante. Ob die weisse Schokolade dabei bei den japanischen Studentinnen und Studenten tatsächlich beliebter war, wie es auf dem obigen Bild den Anschein machen könnte, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Dafür kann ich eines mit Sicherheit sagen: Schokolade ist in Japan keinesfalls eine Rarität, auch nicht gute Schokolade. Schokolade aus der Schweiz nach Japan zu fliegen ist deshalb nicht zwingend besser als Eulen nach Athen zu tragen.

Allein: Welch anderes, ebenso überzeugendes Mitbringsel hat die Schweiz abgesehen vom Taschenmesser zu bieten?

Deshalb mein Tipp: Nehmt ruhig feine Schweizer Schokolade mit, die Japanerinnen und Japaner werden sie mögen – aber lasst die Toblerone für einmal getrost zu Hause.

Oster-Nachwehen

11. April 2007

Keine Angst, geschätzte Blog-Leser: Ich habe euch auch an Ostern nicht vergessen.

Leider stecke ich derzeit jedoch Hals über Kopf in Arbeit, sodass mir momentan die nötige Zeit und Musse für einen neuen Japan-Artikel fehlt. Spätestens am Wochenende geht es aber weiter, versprochen.

Bis dahin könnt ihr – meiner nächtlichen aktionis.ch-Arbeit sei Dank – euer Allgemeinwissen erweitern und der folgenden Frage auf den Grund gehen:

Was geschieht nach Ostern mit nicht verkauften Schokoladenhasen?

mitreden.aktionis.ch weiss Rat.

Hundekleider

6. April 2007

Japanische Hundekleider

Wenn es ein Thema gibt, das im Gespräch mit Japanerinnen stets zu unüberwindbaren Differenzen führte, war es die Frage nach den in Japan weit verbreiteten Hundekleidern: Sie fanden diese Hundekostüme ohne Ausnahme herzig (かわいい, gesprochen kawaii), mich selber dagegen mahnten sie eher an eine (wenngleich sehr zivilisierte) Form von Tierquälerei.

Natürlich hat das Argument, dass diese kleinen japanischen Hündchen draussen in der Kälte ohne Kleider frieren würden, durchaus ihre Berechtigung. Aber ist das wirklich ein Freipass dafür, die Hunde wie Puppen einzukleiden und ihnen beim kleinsten Regenfall einen Regenschutz anzuziehen? Oder wäre es womöglich nicht sinnvoller, wie in Europa Haustiere zu halten, die auch an der frischen Luft ohne Kleider überlebensfähig sind?

Das obige grossartige Bild, das mir Daniel, Deutscher Sakura-Liebhaber und Blogger-Kollege, verdankenswerterweise zur Illustration des vorliegenden Blog-Artikels zur Verfügung gestellt hat, zeigt die Absurdität dieser Hundebekleidung meines Erachtens eindrücklich. Oder findet Ihr etwa, dieser Hund sei glücklich?

Aber das ist meine ganz persönliche Meinung – fragt irgendeine Japanerin, und Ihr werdet mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit das Gegenteil zu hören bekommen: かわいい。。。

Vielleicht schaut der Hund ja aber auch nur deshalb so verloren in die Welt hinaus, weil ihm der Fotograf ein ganz kleines Bisschen seines Schwanzes abgeschnitten hat. Zumindest auf dem Bildausschnitt.

Schön wärs.

Nachtrag: Louis Vuitton

4. April 2007

Louis Vuitton

Für all jene (vermutlich sehr wenigen) Leserinnen und (womöglich minim mehr) Leser, denen Louis Vuitton nicht mehr sagt als Goldman Sachs einem Durchschnittsschweizer (nämlich nichts):

Louis Vuitton geht auf einen französischen Unternehmer zurück, der 1854 in Paris eine Kofferfirma gegründet hatte. Heute hat sich das Unternehmen erfolgreich als Luxusmarke im Hochpreissegment etabliert und verkauft ihre prestigeträchtigen und entsprechend (sündhaft) teuren Koffer, Taschen und anderen Accessoires exklusiv in weltweit mehr als 350 firmeneigenen Filialen in 51 Ländern. Erkennungsmerkmal ist dabei das Muster mit dem Monogramm „LV“, welches sich auch auf einer riesigen Zahl gefälschter Produkte wiederfindet.

Der Umsatz der gesamten Unternehmensgruppe Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH), zu der auch andere renommierte Luxusmarken wie Champagne Moët & Chandon, Dior oder TAG Heuer gehören, belief sich im letzten Jahr 2006 auf 15.3 Milliarden Euro, wovon deren 13% in Japan erwirtschaftet wurden.

Japanische Erinnerungsfahne

1. April 2007

Japanische Erinnerungsfahne

Nachdem ich heute in meine neue WG in St. Gallen eingezogen bin, hat endlich auch meine japanische Erinnerungfahne, welche die Signaturen eines grossen Teils meiner Bekannten aus dem Land der aufgehenden Sonne trägt, einen würdigen Platz gefunden.

Ich bin mir sicher, dass sie sich an ihrem neuen Platz wohlfühlen wird. Denn in das Zimmer nebenan ist nicht nur eine ganz nette Mitbewohnerin eingezogen – sondern mit ihr auch eine (originale) „Louis Vuitton“-Tasche. Zusammen mit dem (nicht ganz originalen) „Louis Vuitton“-Portemonnaie aus dem dritten Zimmer ist die (ungeschriebene) japanische Usanz „mind. 1 Louis Vuitton Produkt pro Frau“ in unserer gemischten schweizerisch-deutschen WG hundertprozentig erfüllt.

Und der Vierte im Bunde wird mit seiner Liebe für das Biiru sicher auch seinen Teil zu einer japankompatiblen Atmosphäre beitragen. Kanpai!