(Y)en

(Y)en

Bereits einige Mal habe ich mich über die japanische Gepflogenheit, englische Wörter bei der Integration in die japanische Sprache sowohl lautlich umzuformen als auch zu verkürzen, und über die daraus resultierenden Schwierigkeiten für deren Verständnis erläutert.

Es gibt aber auch ein prominentes Beispiel in der anderen Richtung: Die japanische Währung heisst auf Japanisch nicht „Yen“, sondern bloss „En“. Da haben sich also wohl die Amerikaner die Aussprache mittels Hinzufügens des „Y“ am Anfang leicht gemacht, auch wenn es im Japanischen gar keine Silbe „Ye“ gibt (im Gegensatz zu „Ya“, „Yu“, „Yo“). Yen ist also auch vom Wortklang her kein japanisches Wort, obschon es vielleicht für Nicht-Japanisch-Kenner einen solchen Anschein macht. Sehr praktisch ist dagegen die Umrechung in Schweizer Franken: Ein japanischer Yen entspricht etwas mehr als einem Schweizer Rappen. Wenn man also die japanischen Preise durch 100 dividiert und etwas aufrundet, ist man sehr genau beim Schweizer Franken-Äquivalent.

Wenn wir aber gerade beim Thema Aussprache sind: Die japanische Umschrift in Romaji (Alphabet) wird stets englisch ausgesprochen. Judo heisst folglich nicht „Iuudoo“, sondern „Dschuudoo“ (aber stimmhaft, wie z.B. im Englischen „June“). Ebenso werden beim Eindeutschen von japanischen Begriffen viele Akzente (falsch) neu hinzugefügt. Es heisst also im Japanischen nicht „Karáte“ (Betonung auf zweiter Silbe), sondern „karate“ (alle drei Silben in etwa gleich stark betont resp. unbetont), oder „sumoo“ (ein langes O am Ende, während das U beinahe verschluckt wird) und nicht „Súmo“.

Denkt also das nächste Mal an mich, wenn ihr euch im Judo, Karate oder gar Sumo mit euren Schweizer Konkurrenten misst.

Oder wenn ihr in euer neues Toyota-Auto (kein Akzent!) steigt.

[PS: Die Foto zeigt den ganzen Yen-Inhalt meines Portemonnaies Stand Mittwochmittag, 31. Januar 2007, nach dem zweiten von fünf geplanten Ausgangsabenden dieser Woche. Ich werde also wohl heute meiner japanischen Bank des Vertrauens (MUFG) noch einen kurzen Besuch abstatten müssen, um für die weiteren abendlichen Entdeckungsreisen durch Tokyo gerüstet zu sein.]

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3 Antworten to “(Y)en”

  1. Helmut Says:

    Du bist echt der sachlichste Japan-Blogger, den ich kenne! Da zieh ich den Hut vor dir, dass du das dein ganzes Semester über durchgezogen hast.
    Und Toyota ohne Akzent – daran hab ich (als ehemaliger 2-facher Besitzer) auch noch nie gedacht! 🙂

  2. mds Says:

    Gerade bei japanischen Automarken gibt es einiges zu erkären… Mitsubishi und so beispielsweise… 😉

  3. Yokozuna Says:

    Du hast die Haare schön du hast die Haare schön du hast du hast, du hast die haare schön!

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