kurisumasu

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Weihnachten in Japan – oder das Fest der Liebe einmal anders.

Wer glaubt, im shintoistisch-buddhistisch geprägten Japan wäre Weihnachten kein Thema, den muss ich eines Besseren belehren: Zumindest was den Weihnachts-Kommerz anbelangt, ist Japan absolute Weltklasse – die Schweiz dagegen im Vergleich bloss ein unschuldiges graues Entlein.

Merry Christmas überall: Farbig leuchtende Tannenbäume vor den Kaufhäusern, Weihnachts-Ausverkäufe im grossen Stil – und aus den in den Läden aufgestellten Lautsprecher-Boxen trällern Weihnachtsliedern, die nur vom marktschreierischen Anpreisen der Ware durch die Angestellten übertönt werden.

Ja, kurisumasu in Tokyo, eine Erfahrung der ganz besonderen Art. Für die Japanerinnen und Japaner besitzt das Weihnachtsfest grundsätzlich keine Tradition und nimmt deshalb normalerweise im Familienkalender auch keine wichtige Rolle ein. In meiner Gastfamilie erhielten zwar die Kinder, als sie noch klein waren, jeweils von den Eltern zu Weihnachten Geschenke. Inzwischen kommt Weihnachten aus familiärer Sicht nicht einmal mehr diese Bedeutung zu.

Dafür wird der Begriff „Fest der Liebe“ in Japan sehr eng interpretiert: gleich wie, Hauptsache romantisch sollten die Weihnachtstage sein. Glücklich ist, wer die Weihnachtstage mit Freund oder Freundin verbringen kann – oder zumindest ein hotto deeto mit seinem Möchte-Gern-Schatz einfädeln konnte. Allen anderen bietet sich als Alternative an, den Heiligabend im Freundes- oder Kollegenkreis zu feiern und auf diese Weise die japanische kurisumasu-Stimmung zu geniessen.

Merke!: Das Feiern von Weihnachten und Neujahr in Japan verhält sich im Vergleich zur Schweiz gerade umgekehrt: Während in der Schweiz Weihnachten grundsätzlich mit der Familie, Silvester und Neujahr dafür oftmals im Freundeskreis gefeiert werden, ist in Japan das Feiern des neuen Jahres das wichtigste Familienfest, Weihnachten dagegen bloss eine (mehr oder minder) romantische Verkaufsstrategie des Detailhandels.

Dass diese Art von Weihnachten mit der schweizerischen Form (von den Geschenken einmal abgesehen) nicht allzu viel gemein hat, wird einem spätestens dann klar, wenn vor dem Convenience Store Verkäuferinnen in unheilig kurzen Weihnachtsmann-Minirock-Kostümen irgendwelche kurisumasu-Aktionen anpreisen und in der Früchteabteilung des Lebensmittelgeschäfts Erdbeeren als Spezial-Weihnachts-Sonderangebot erhältlich sind.

Kurze Röcke und Erdbeeren – das will in meinen schweizerischen Augen irgendwie nicht wirklich zu einem stillen, besinnlichen Weihnachtsfest passen. In etwa so wenig, wie mich die am 24. Dezember von amerikanischen Austauschstudierenden veranstaltete Weihnachts-(Sauf-)Party an den heiligen Abend erinnerte.

Aber ich will mich nicht beklagen: Es war ja nicht Weihnachten, sondern kurisumasu. Und ich selber durfte am 24. und 26. zu Hause bei meiner Gastfamilie und am 25. zusammen mit zwei französischen Austauschstudenten sehr herzliche und warme Weihnachten verbringen.

Mit einem Weihnachtsbaum, um den mich wohl auch der eine oder andere Schweizer benieden hätte: Zugesandt von meiner Grossmutter aus der Schweiz, ergänzt um ein japanisches „Hello Kitty“-Engelchen.

Besinnliche europäische Weihnachten und glitzernder japanischer kurisumasu-Zirkus zugleich – damit lässt es sich ganz gut leben.

Weihnachtsbaum

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