Nachtrag: R vs. L

Der R-L-Laut im Japanischen, eine Wissenschaft für sich.

Vor wenigen Tagen hatte ich als erste Annäherung an dieses schwierige Kapitel der japanischen Aussprache folgende PONS-Erklärung publiziert: “Ein Laut zwischen R und L. Die Artikulation ist fast wie “L”, aber die Zunge trifft weiter hinten auf den Gaumen.”

Dass diese Beschreibung – wie Shark richtig bemerkt hat – zwar „nett, aber nicht optimal“ ist, dessen bin und war ich mir bereits damals bewusst. Für alle jene, die wie Shark der korrekten Aussprache noch ein bisschen näher kommen möchten, habe ich mich deshalb heute durch die Weiten des Netzes gewühlt und einige zusätzliche Erklärungsversuche ausfindig gemacht.

Der Grundkonsens bleibt dabei der beschriebene: Ein Laut zwischen R und L (exemplarisch deutsch-japanischer-kulturverein.de oder hp-gramatke.de). Weil die Zunge am Gaumen auftrifft, wird der Laut eher wie ein „L“ artikuliert – tönen tut er jedoch in meinen Ohren meistens eher nach einem „R“ als nach einem „L“ (was auch zur lateinischen Umschrift „R“ passt). Je nach Wort und Sprecher gibt es jedoch deutliche Nuancen – so sprechen bereits meine beiden Japanisch-Lehrerinnen an der Uni die R-L-Laute hörbar unterschiedlich aus, was das korrekte Erlernen nicht unbedingt erleichtert.

Manchmal wird – auch von einer meiner Japanisch-Lehrerinnen – zusätzlich das „D“ mit ins Spiel gebracht. So heisst es beispielsweise auf hohemi.de: „Das japanische ‚r‘ wird mit der Zungenspitze am vorderen Gaumen gebildet und klingt deshalb wie eine Mischung aus ‚d‘ und ‚l‘.“ Und ein gewisser Paladus meint: „Eine Art Einheitsbrei zwischen D, R und L […], wobei die Zunge konkret aber etwas anders als bei allen dreien dieser deutschen Laute genutzt wird.“

Mein persönliches Fazit: Ich bleibe der PONS-Kurz-Erklärung treu, die meines Erachtens das Wichtigste bestmöglichst auf den Punkt bringt und zudem auch vom stellvertretenden geschäftsführenden Direktor am Institut für Linguistik der Universität Leipzig (so einen langen Titel werde ich mir bei aktionis.ch dann auch irgendwann einmal zulegen) geteilt wird: „[In Japan] gibt es statt L und R nur einen Laut, der klanglich ungefähr zwischen diesen beiden liegt.“ Oder wie es Rolf Holstein auf wer-weiss-was.de beinahe poetisch formuliert: „Es ist ein Laut, der ziemlich unentschlossen die Mitte zwischen unserem R und unserem L sucht.“

Für alle, die anstatt des vielen Um-den-heissen-Brei-Redens ein praktisches Beispiel bevorzugen, gibt es auf thejapanesepage.com für alle fünf japanischen R-Laute (ra, ri, ru, re, ro) ein Hörbeispiel – mitsamt einer englischsprachigen Anleitung zur korrekten Haltung von Zunge und Mund.

Zu viel des Guten? Wer inzwischen – spätestens nach dem Anhören der Audio-Beispiele – die Hoffnung ganz verloren hat, dem bleibt der kleine Trost: „Um sich verständlich zu machen, ist es zum Glück nicht so wichtig, das genau hinzubekommen.“ (j-kurs-jasms.de)

Und zumindest diese letzte Aussage kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Zum Glück.

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3 Antworten to “Nachtrag: R vs. L”

  1. Shark Says:

    Ja, immer wieder erstaunlich, was an Aussprache Japaner noch verstehen! 😉

  2. Martin Says:

    Also, du hast mich nach der Ansicht von Reinfried-san gefragt, dem Japanisch-Lehrer der HSG. In den paar wenigen Stunden, die ich besucht habe, ist dieses Thema bisher nicht zur Sprache gekommen. Uns wurde gesagt, die Aussprache des Japanischen sei grundsätzlich kein Problem. Wohl steckt dahinter der Pragmatismus von j-kurs-jasms.de und das Bestreben, nicht schon nach ein paar wenigen Lektionen vor leeren Bänken unterrichten zu müssen. Schliesslich hält Japanisch schon genügend Schwierigkeiten für seine gakusei bereit.

    Erich Muff, der gerade im Nebenzimmer zu schlafen versucht (und sich aufgrund deiner Audio-Japanisch-Lektion wohl schon Sorgen um mich macht), lässt dich übrigens herzlich grüssen.

    Einen schönen Morgen im Land der aufgehenden Sonne

  3. kokoa41 Says:

    @ Martin: Vielen Dank fuer dein Feedback! Ja, da hast du absolut Recht: Die R-L-Frage ist fuer einen Japanisch-Studenten (zumindest im Anfaenger-Stadium) nicht von allzu grosser Wichtigkeit, da viele andere Huerden bereits die volle Konzentration erfordern. Ganbatte ne!
    Nicht vergessen: Nihongo wa muzukashii desu ga, omoshiroi desu. Jedenfalls wenn man wie ich vor Ort ist und ohne Japanisch-Kenntnisse im Alltag nur Bahnhof versteht.

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