Kirchen-Kommerz

Kirchen-Kommerz

Wenn in wirtschaftlicher Hinsicht eine europäische Institution von seinen japanischen Verwandten lernen könnte, ist es die Kirche. Denn die Verantwortlichen der japanischen Schreine und Tempel geben sich diesbezüglich pragmatisch und haben sich im Gegensatz zu den Schweizer Kirchenvertretern ein grundlegendes ökonomisches Prinzip zu Herzen genommen: „People respond to incentives.“

In den Schreinen und Tempeln wird nicht – wie im einstigen christlichen Ablasshandel – an das Schuldgefühl der Menschen appelliert. Ganz im Gegenteil: Es wird allerhand Glückbringendes unter die Menschen gebracht. Ob in der Form von Losen, Holztäfelchen, Raucherstäbchen, Mobiltelefon-Anhängern, Kerzen oder gar kleinen Statuen aus Holz oder Stein – das Glück, gute Gesundheit oder Prüfungserfolg sind wortwörtlich zum Greifen (und Kaufen) nahe. Wer möchte da leer ausgehen?

So packen denn viele Japanerinnen und Japaner bei ihrem Tempelbesuch das Glück am Schopf und ziehen ein Los aus der Box, beschriften ein Holztäfelchen mit ihren Wünschen oder schmücken ihr Mobil-Telefon mit einem (weiteren) Anhänger, der bei den anstehenden Prüfungen mithelfen soll, dass sich der erwünschte Erfolg auch tatsächlich einstellen wird.

Glück anstatt Schuldgefühle – eine ganz sympathische japanische Alternative. Und der Erfolg gibt ihr recht: Die Leute kommen in Scharen.

q.e.d.

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Eine Antwort to “Kirchen-Kommerz”

  1. Hase-dera (Kamakura) « kokoa41 - a gaijin’s view Says:

    […] Bekannt ist der Hase-dera vor allem für seine 9 Meter hohe Statue der – hier elfköpfigen – Gnadengottheit Kannon und für die mehrere Tausend kleine Jizo-Statuen, die dem Gedächtnis früh verstorbener oder unerwünschter Kinder gewidmet sind. Die Statuen, die im Tempel-Shop im Angebot stehen (Kirchen-Kommerz lässt grüssen), sind teilweise mit allerhand Glücksbringern, bunten Lätzchen und Mützen oder gar richtigen Kleidern geschmückt. Wer keinen Grund hat, eine solche Statue aufstellen, der kann natürlich auch auf Kerzen, Räucherstäbchen, Holztäfelchen oder andere Glücksbringern zurückgreifen oder in der kleinen Benten-kutsu-Grotte zu Ehren von Benzaiten, der Göttin für weibliche Schönheit und Gesundheit, eine Mini-Statue beschriften und aufstellen. […]

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