Archive for Oktober 2006

Unterwegs

30. Oktober 2006

Da aufgrund eines Uni-Festivals in dieser Woche die Vorlesungen von Dienstag bis Freitag ausfallen, werde ich mich in den kommenden Tagen erneut dem Sightseeing widmen: Es steht ein fuenftaegiger Ausflug nach Kyoto auf dem Programm. Abfahrt mit dem (unbequemen, aber guenstigen) Nachtbus in wenigen Stunden ab Shinjuku.

Damit mein Blog waehrend dieser Zeit nicht ganz einsam und verlassen bleibt, habe ich soeben etwas vorgeblogged: Vorbeischauen lohnt sich also auch in den naechsten Tagen.

Und falls sich waehrend meiner Abwesenheit irgendjemand bei Gelegenheit einmal meiner Japanisch-Fragen erbarmen wuerde, werde ich nach meiner Rueckkehr gerne die entsprechenden Loesungen liefern. In diesem Sinne: ganbatte – und bis in einer Woche!

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Erdbeben

30. Oktober 2006

Erdbeben

In Tokyo gehoeren kleinere Erdbeben zur Tagesordnung. Meine persoenliche Feuertaufe liegt nunmehr bereits gut zwei Wochen zurueck, als mich am Samstagmorgen ein kleineres Beben waehrend einiger wenigen Sekunden in meinem friedlichen Schlaf stoerte. Darauf angesprochen, erklaerte mein Gastbruder, er haette nichts gemerkt – und mein Gastvater wusste ebenfalls nichts von einem Beben in Tokyo, es haette jedoch ein relativ starkes auf Hawai gegeben. Ein Auslaeufer also.

Um fuer zukuenftige Beben geruestet zu sein, haette sich mir am vergangenen Samstag die Moeglichkeit geboten, kostenlos an obigem vom Erdbeben-Forschungsinstitut der Tokyo University organisierten Earthquake-Seminar fuer Auslaender teilzunehmen. Bekanntlich hatte ich jedoch Besseres zu tun, auch wenn meine Notebook-Installation wahrscheinlich die japanischen Erdbeben-Richtlinien nicht erfuellte und allen Tipps „What to do against earthquake disaster“ widersprach.

Aber ich nehme es – wie die Japaner – mit einer gehoerigen Portion Galgenhumor: Ob denn die Haeuser ein richtiges Erdbeben aushalten wuerden, wollte ich von meinem Gastvater wissen. Seine Antwort, mit einem Laecheln: I don’t know. Maybe.

Tokyo Headquarter Terminal

29. Oktober 2006

Tokyo Headquarter Terminal

28. Oktober 2006, aktionis.ch Tokyo Headquarter Terminal, Telefonkonferenz.

Aufgrund einer äusserst widrigen Internetverbindungs-Situation musste die vor wenigen Tagen beschriebene Notebook-Installation für diesen Anlass kurzfristig nochmals massiv ausgebaut werden: Schreibtisch in die Mitte des Zimmers verschieben, kleines braunes Köfferchen um den grossen schwarzen Koffer ergänzen, Stuhl als Stehplattform an den Tisch heranrücken.

Fazit: Was auch immer kommen möge – wir sind bereit, uns den neuen Herausforderungen zu stellen. Nötigenfalls auch stundenlang auf einem Stuhl an einem improvisierten Koffer-Tischchen in Tokyo stehend.

Ähnlich und doch anders

26. Oktober 2006

Das Japanische kennt eine Vielzahl an englischen Lehnwörtern vorwiegend neueren Ursprungs. Im Gegensatz zur deutschen Sprache werden im Japanischen die englischen Begriffe jedoch in der Regel nicht eins zu eins übernommen, sondern leicht modifiziert und zuweilen auch gekürzt, damit sie mit den japanischen Lauten problemlos wiedergegeben werden können. Geschrieben werden Fremdwörter dabei in der Silbenschrift Katakana, während für die ursprünglichen japanischen Wörter die chinesischen Schriftzeichen Kanji und die Silbenschrift Hiragana verwendet werden.
(Wer sich für die komplizierten Details interessiert: Wikipedia weiss fast alles über die japanische Sprache und das japanische Schriftsystem.)

Ähnlich und doch anders – kein leichtes Unterfangen (finde ich jedenfalls; meine Gastfamilie ist da anderer Meinung). Damit sich ein jeder selber ein Bild von diesen anglo-japanischen Schwierigkeiten machen kann, liste ich nachfolgend zehn japanische Begriffe auf, die aus dem Englischen stammen. Das Rätselraten ist eröffnet – Vorschläge bitte direkt als Kommentar zu diesem Blog-Beitrag einreichen. Ganbatte!

1. doa
2. terebi
3. purezento
4. chiketto
5. erebeetaa
6. toranpetto
7. basukettobooru
8. shawaa
9. karendaa
10. suupaa

(Tipp: „r“ ist ein Laut zwischen unserem „r“ und „l“)

Das Ende zweier Erfolgsserien

25. Oktober 2006

Mit dem gestrigen Japanisch-Quiz ist eine kleine persoenliche Erfolgsserie zu Ende gegangen: Nach 11 Daily Quizes und 2 Lesson Tests mit Maximal-Punktzahl – finally – der erste Fehler. Und natuerlich ein dummer dazu: rechts (migi) und links (hidari) verwechselt.

Mit dem gestrigen Japanisch-Quiz ist aber auch eine kleine Erfolgsserie von Huchi-san zu Ende gegangen: Nach 11 Daily Quizes und 2 Lesson Tests mit Maximal-Punktzahl – finally – der erste Fehler. Und natuerlich ein dummer dazu: bei einem Hiragana-Zeichen zwei Punkte vergessen, was aus der kaban (Tasche) eine nichtssagende kahan machte.

Fazit: Die beiden Fuji-san-Bezwinger (deren Doppelbesteigung gestern in der Finance-Vorlesung fuer Furore sorgte) sind am selben Tag gestrauchelt. Zum Glueck erst am Dienstag, und nicht zwei oder drei Tage frueher. Denn beim Auf- oder Abstieg auf den Mount Fuji waere ein Sturz gewiss schmerzhafter ausgefallen.

So halten wir es mit Roger Federer und beginnen die Serie von vorne. Auch wenn wir uns ab Donnerstag in einer neuen Staerke-Klasse werden bewaehren muessen: Nach Hiragana und Katakana stehen nunmehr die ersten Kanji auf dem Lernprogramm. Knieschoner-Tragen empfohlen.

Drang nach Verbindung

24. Oktober 2006

Internet-Verbindung

„There is no such thing as a free lunch.“ Soo desu ne.

Immerhin erhöht die obige Koffer-Installation die Verbindungswahrscheinlichkeit mit dem ungeschützten Wireless-Netzwerk aus der Nachbarschaft deutlich. Ganz gemütlich ist das Arbeiten im Stehen indes nicht – aber definitiv besser, als ganz ohne Internetzugang dazusitzen. Zumal ich als klassischer Trittbrettfahrer für diese Verbindung nichts bezahle. Ein „supesha runchi“ sozusagen.

Mount Fuji (Fuji-san)

23. Oktober 2006

 Sonnenuntergang Mount Fuji

Von Zeit zu Zeit haelt das Leben Momente bereit, die mehr sind als bloss schoen, toll oder grossartig. Die Doppelbesteigung des Mount Fuji an diesem Wochenende gehoert ganz ohne Zweifel in die Rubrik dieser seltenen Perlen. Dank eines naechtlichen Ab- und Wiederaufstiegs konnten mein Schweizer Mitstudent Huchi-san (Deckname) und ich nicht nur einen atemberaubenden Sonnenuntergang (vgl. Foto), sondern auch einen ebenso traumhaften Sonnenaufgang vom Gipfel des hoechsten Bergs Japans aus (3776 m) miterleben.

Dieses Fuji-san-Wochenende laesst sich mit Worten nicht beschreiben, schon gar nicht in einem Blog-Eintrag. Zu viele verschiedene Mosaik-Steinchen haben zu diesem Gesamtkunstwerk beigetragen: Vulkangestein, Wolken, Sonne, Wind, Sterne, Sternschnuppen – und nicht zuletzt auch zwei Vertreter der japanischen Self Defense. Wer weiss, vielleicht wird es anstelle eines ausfuehrlichen Blog-Eintrags eines Tages einen Foto- und Video-Abend geben. Huchi-san und Fretsu haben jedenfalls rund ein Gigabyte Foto- und Videomaterial gesammelt – und einige Fuji-san-Steine in den unterschiedlichsten Farben dazu.

Aus dem Log-Buch (Sa/So, 21./22. Oktober 2006):
0845: Abfahrt Shinjuku (Keio Highway Bus)
1130: Ankunft Fifth Uphill Station Mount Fuji (2305 m), kurze Vpf
1200: Beginn Aufstieg
1530: Erreichen Gipfel (3776 m), anschl. gemuetliches Weitergehen entlang des Kraterrandes in Richtung Aussichtsplattform West
1630: Erreichen Aussichtsplattform
1710: Sonnenuntergang
1730: Rueckmarsch zum Beginn der Auf- und Abstiegsroute
1800: Beginn Abstieg (auf Aufstiegsroute)
2000: Eintreffen Huette 7th Station (2300 m), Vpf
2140: Nachtruhe
0200: Tagwache
0230: Beginn Wiederaufstieg
0445: Eintreffen Gipfel
0600: Sonnenaufgang
0720: Beginn Abstieg (auf Abstiegsroute, gemuetlich)
1100: Eintreffen Fifth Uphill Station Mount Fuji, anschl. Bus-Reservation, Vpf, Karten-Schreiben
1400: Abfahrt (Keio Highway Bus)
1630: Eintreffen Shinjuku

ichiban

21. Oktober 2006

 Werbung in Shinjuku

Shinjuku by night – wahrlich ein schöner Anblick.

Wenn das Wetter stimmt, wird uns hoffentlich der 3776 Meter hohe Fujisan am Wochenende eine ebenso schöne Aussicht bescheren. Wir sind jedenfalls (mit neu gekauften Trekking-Schuhen und einer Taschenlampe für den nächtlichen Abstieg) bestens gerüstet: Aus unserer Sicht kann es losgehen. Damit wir am Montagmorgen – wahrscheinlich mit argem Muskelkater und etwas übermüdet – pünktlich den nächsten Japanisch-Test in Angriff nehmen können.

aisukoohii

19. Oktober 2006

Deeppresso 

Iced Coffee (oder eben auf japanisch aisukoohii) zaehlt zusammen mit Mineralwasser und Gruentee zu den beliebtesten Erfrischungsgetraenken, die an den weit verbreiteten Automaten fuer faire 100 bis 150 Yen (ca. Fr. 1.10 – 1.65) entweder gekuehlt oder erwaermt erhaeltlich sind.

Den Kaffeetrinkern (zu denen ich bekanntlich nicht gehoere) steht dabei eine sehr breite Auswahl zur Verfuegung. Wer einmal – wie Kollege Five Blend – etwas geknickt sein sollte, dem bietet sich Muntermacher Deeppresso aus der Georgia-Familie geradezu als Retter in der Not an. Die Damen werden sich derweil wohl eher stilvoll dem ami français „Café au lait“ zuwenden.

Metro: Frauenabteil

18. Oktober 2006

 Frauenabteil

Wenn man fuer einmal waehrend der Rush Hour in der Metro nicht nur der einzige Nicht-Japaner, sondern auch das einzige maennliche Wesen ist, dann merkt man schnell: Irgendetwas ist falsch gelaufen.

Tatsaechlich: Nichts ahnend hatte ich den letzten Wagen der langen Metro-Zugskomposition bestiegen – und war im Frauenabteil gelandet. Auf dem Perron sind dort, wo sich die Tueren des entsprechenden Abteils nach der Einfahrt (zielgenau) oeffnen, pinkige Markierungen angebracht, und auch Plakate an den Saeulen und den Metro-Tueren verbannen Maenner in den Morgenstunden aus diesen Wagen. Angesichts des unvermeidlichen Koerperkontakts in den vollgestopften Rush-Hour-Zuegen eine sehr lobenswerte Institution, wurden (und wahrscheinlich werden) doch Frauen dabei nicht selten Opfer von sexuellen Belaestigungen.

Wer jetzt glaubt, es muesse zumindest ein tolles Gefuehl sein, so ganz alleine mit Dutzenden von Frauen als Hahn in der Sardinenbuechse zu stecken, den muss ich leider enttaeuschen. Denn die Frauen geben in ihrem PA-Wagen kein besseres Bild ab als die uebrigen Pendler in der Mixed Zone: Das Doesen im Stehen ist weit vor dem Lesen und E-Mail-Schreiben die morgendliche U-Bahn-Lieblingsbeschaeftigung. Nicht wirklich ein erquickender Anblick – geschlechterunabhaengig. So werde ich mich denn in Zukunft ganz freiwillig von den pinkig markierten Wagen fernhalten.

PS: Dass man als Gaijin im Frauenabteil landet, ist das eine (und hat auch – ausser einiger vereinzelter kritischer Blicke – zu keinerlei Reaktionen gefuehrt). Davon noch eine Foto zu schiessen, etwas anderes. Ich habe deshalb meine Kamera brav im Rucksack belassen und mich stattdessen in einer ruhigeren Abendstunde nochmals an das Frauenrevier herangewagt – mit obiger fotografischer Ausbeute.